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April 26, 2026

Netzpolitik.org

Das Internet stirbt

Das Internet und seine Plattformen werden immer weniger von Menschen, sondern stattdessen von Bots bevölkert. Die meisten Interaktionen und Inhalte, die wir online sehen, sind automatisiert erstellt und verbreiten sich automatisiert. Menschen werden im Internet zur Minderheit. Das Internet ist deshalb längst „tot“ oder wird bald sterben. Das sagt zumindest die „Dead Internet Theory“.

Mittlerweile drängt sich der Eindruck auf, dass die verschwörungsmythisch angehauchte Theorie in Teilen nicht ganz falschliegt.

Content, der sich zum Obst macht

Was wir in sozialen Medien derzeit vor allem sehen, sind immer mehr automatisiert generierte Inhalte. Offensichtlich maschinell erstellte Kommentare und KI-generierte Videos fluten unsere Feeds. Besonders häufig tauchen dabei KI-Videos von Früchten oder Katzen auf, die stark emotionalisierte und oftmals fragwürdige Handlungen darstellen.

Die Zigtausend Clips erzählen meist die gleichen Geschichten, die in der Regel keinen Sinn ergeben. Dennoch werden die Videos teils millionenfach geklickt. In den vergangenen Wochen berichteten zahlreiche Medien über den vermeintlich neuen Trend. Das Phänomen vollkommen sinn- und inhaltsloser Videos ist jedoch mindestens so alt wie der „Italian Brainrot“-Trend zu Beginn des Jahres 2025.

All diese Videos erfüllen vor allem einen Zweck: Die Betreiber haben ein Interesse daran, dass möglichst viele Menschen möglichst viel Zeit auf ihren Plattformen verbringen. Je mehr Zeit wir auf den Plattformen verbringen, desto mehr Daten geben wir preis, desto mehr bezahlte Werbung bekommen wir angezeigt und desto wahrscheinlicher ist es, dass wir Geld auf den Plattformen ausgeben.

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Maschinen, die uns unterhalten sollen

Bei der Ökonomisierung menschlicher Aufmerksamkeit ist es ziemlich egal, mit welcher Art von Beiträgen diese erzeugt wird. Und so schlecht eine Content-Form auch sein mag: Wenn Tausende solcher Videos hochgeladen werden, stehen die Chancen nicht schlecht, dass zumindest eines der Videos viral geht – selbst dann, wenn es inkohärente Geschichten mit KI-Obst in den Hauptrollen sind. Und je mehr Content es gibt, desto mehr Content kann konsumiert werden und desto mehr Profitoptionen ergeben sich für die Betreiber.

Insofern können Maschinen auf sozialen Medien die Hauptproduzenten von Inhalten sein. Gleichzeitig erstellen Maschinen nicht nur die originalen Posts, sondern kommentieren und teilen diese auch. Das Ergebnis sind Beiträge, die Maschinen erstellen und pushen, die möglichst viele menschliche Konsumenten erreichen sollen.

Die Wertlos-Maschinerie

Wenn Maschinen Menschen ablösen, stellt das die Plattformen jedoch vor ein Problem: Bots erstellen Inhalte, kommentieren, liken und teilen andere Beiträge – und das rund um die Uhr, unter Zugriff auf immer mehr Ressourcen. Das ist in etwa so, als würde ein Freizeitpark-Betreiber alle seine Fahrgeschäfte automatisieren und humanoide Roboter hineinsetzen, die Menschen dazu animieren, mitzufahren.

Die Aufmerksamkeit der Bots ist kommerziell nichts wert. Es gibt keine personalisierten Nutzerprofile von Bots, die man semilegal verkaufen kann. Ein Bot gibt auch kein Geld für beworbene Produkte aus. Und es lohnt sich wohl auch nicht, das Nutzungsverhalten eines Bots zu überwachen. Die Plattformbetreiber haben deshalb nichts davon, wenn sich in ihren Foren ausschließlich Bots gegenseitig entertainen. Wenn die Achterbahnwagen bis auf den letzten Platz nur mit Robotern gefüllt sind, ist alle Mühe umsonst.

Große digitale Dienste sind auf menschliche Konsument:innen angewiesen. Nur ihre Aufmerksamkeit erzeugt den Mehrwert, mit dem Plattformbetreiber ihr Geld verdienen. Wenn echte Menschen das Interesse an sozialen Medien verlieren, verliert auch der Maschinen-Freizeitpark seinen Sinn.

Die Entmenschlichung sozialer Medien

Diese Entmenschlichung sozialer Medien hat jedoch begonnen, lange bevor KI-generierter Content sie flutete. Neben KI-Obst, KI-Influencern und Tung tung tung Sahur existiert auf sozialen Medien massenweise Content, der von Menschen produziert ist. Dabei handelt es sich vor allem um Inhalte von besonders großen Accounts, die uns ihre Erzählungen wie eine Fernsehserie präsentieren. Schon das hat mit der eigentlichen Idee hinter den sozialen Medien nur noch wenig zu tun.

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Soziale Medien sollten – zumindest aus Nutzer:innenperspektive – ursprünglich ein Ort sein, an dem wir mit unseren Freund:innen in Kontakt bleiben können. Doch ihre Accounts nehmen wir kaum noch wahr. Ein Großteil unserer Feeds besteht längst aus Beiträgen von Personen, die wir nicht kennen und maschinell generierten Inhalten. Das macht die Nutzererfahrung auf sozialen Medien immer unmenschlicher und unpersönlicher.

Dennoch ist Plattformbetreibern daran gelegen, dass Nutzer:innen den Eindruck haben, auf sozialen Medien noch mit ihren Bekannten zu interagieren. So hat Instagram vor wenigen vergangenen Jahren ein kleines Icon eingeführt, das Nutzer:innen anzeigt, wenn ein Bekannter einen anderen Beitrag reposted oder kommentiert. Das kann die zwischenmenschliche Verbindung, die soziale Medien einst schaffen sollten, jedoch nicht ersetzen.

Maschinen können Menschen nicht ersetzen

Die maschinelle Erstellung von Inhalten ist, menschlich gesehen, wertlos. Und sie widerspricht dem menschenzentrierten Grundgedanken sozialer Medien: eine digitale Welt von Menschen für Menschen zu schaffen, mit deren Hilfe wir uns vernetzen und einander näherkommen.

Eine digitale Welt, in der hauptsächlich Bots mit Hilfe sogenannter künstliche Intelligenz miteinander interagieren, führt die Idee sozialer Medien endgültig ad absurdum. Setzt sich diese Entwicklung weiterhin ungehemmt fort, werden Orte, die einst dem digitalen Austausch dienten, obsolet.

Tot ist das Internet, wie wir es kennen, sicher lange noch nicht. Das heißt aber nicht, dass es den Maschineninhalten nicht doch irgendwann zum Opfer fallen wird.

alt

by Carla Siepmann at April 26, 2026 06:27 AM

April 25, 2026

Netzpolitik.org

Die Woche, in der wir ein neues Kleid bekamen

Liebe Leser:innen,

habt ihr einen Lieblingspulli? Also eines dieser Kleidungsstücke, die euch seit vielen Jahren begleiten? Vielleicht hat dieser Lieblingspulli schon ein paar kleine Löcher, die ihr immer wieder geflickt habt. Vielleicht ist er am Ärmelbündchen reichlich ausgeleiert und die Waschgänge der letzten Jahre haben die Farbsättigung ordentlich nach unten geschraubt.

Wenn ich einen solchen Lieblingspulli habe und er irgendwann wirklich seine Lebenszeit überschritten hat, werde ich ein bisschen wehmütig. Denn meist hängen da auch Erinnerungen dran: die schöne Wanderung mit Freund:innen, bei der ich ihn von oben bis unten mit Kirschsaft bekleckert habe zum Beispiel. Aber irgendwann ist es Zeit für einen neuen. Und dann bin ich froh, wenn der schnell genauso bequem und warm ist wie der alte, der dann noch ein bisschen im Kleiderregal hängen darf – für alle Fälle.

Das Gefühl habe ich auch heute. Aber es geht nicht um einen Pulli, es geht um unsere Website. Wir haben uns getraut und schlagen optisch ein neues Kapitel für netzpolitik.org auf. Nach neun Jahren mit unserem liebgewonnenen und bewährten Design haben wir ein Redesign der Seite gemacht. Das ist jetzt der dritte Relaunch bei netzpolitik.org, den ich persönlich miterlebe. Und für mich ist es mit Abstand der aufregendste.

Als ich anfing, für netzpolitik.org zu schreiben, gab es auf der Über-uns-Seite noch eine Tag-Cloud, an den Seiten sah man Werbeanzeigen, wir haben gedruckte Jahrbücher produziert und Leser:innen haben Artikel „geflattert“, also über einen Micro-Payment-Dienst teils winzige Centbeträge hinterlassen. Seitdem hat sich immer wieder vieles verändert, sowohl an unserer Arbeit als auch am Aussehen der Website – sogar unser Logo.

Ich freue mich jetzt ungemein, mit der neuen Seite zu arbeiten. Was man auf den ersten Blick noch nicht sieht: Wir haben jede Menge frische Möglichkeiten, Texte zu gestalten. Auch die Startseite können wir flexibler sortieren. Nicht mehr viele starre Kategorien, sondern Platz für wichtige, aktuelle Themen und Orte für das, was uns ausmacht: tiefe Recherchen, treffende Kommentare, Podcasts aus unserem Maschinenraum oder netzpolitische Dauerbrenner. Einen Überblick findet ihr in unserer Launch-Ankündigung und ich bin mir sicher, dass die regelmäßigen Leser:innen unter euch schnell noch viel mehr entdecken werden.

Ein Teil der Aufregung kommt aber auch daher, dass ich richtig gespannt auf euer Feedback bin. Von den letzten Redesigns weiß ich, dass Ungewohntes oft erst mal zu Skepsis führt und es sicher auch viel Kritik geben wird. Mir ist auch klar, dass uns und euch in den ersten Tagen noch Fehler auffallen werden – egal wie gründlich wir getestet haben. Aber ich bin mir sicher, dass ihr unser neues Aussehen liebgewinnen werdet. Und die Erfahrungen haben gezeigt, dass euch beim Zurechtfinden noch jede Menge gute Anregungen und Ideen kommen!

Ich mag unser neues Outfit mit seiner großen Klarheit sehr gern und es ist eine Freude, damit zu arbeiten. Für mich ist es mehr als eine Klamotte, denn es gibt uns Freiheiten, unsere journalistischen Inhalte angemessen zu präsentieren. Die bisherige Seite hat uns lange bestens gekleidet, aber mittlerweile hier und da gezwickt und war an anderen Stellen schon abgeschubbert. Die neue gibt uns eine gute Form und macht uns beweglich. Und wir würden uns freuen, wenn ihr mitkommt und uns beim Strecken und Recken begleitet.

Gutes Entdecken wünscht euch

anna


Transparenzbericht 1. Quartal 2026: Unsere Einnahmen und Ausgaben – und viele kleine Lagerfeuer

Wenn die eigenen Recherchen verfilmt werden, ist das schon ein ganz besonderes Ereignis. Wir haben uns vor ein emotionales Lagerfeuer gesetzt und spüren, wie sich nach Jahren der Recherchearbeit ein Kreis schließt. Und an dessen Anfang steht ihr, liebe Spender:innen. Von netzpolitik.org –
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Deutschland-Stack und Zivilgesellschaft: Digitalministerium sendet widersprüchliche Signale

Das Digitalministerium hatte die Zivilgesellschaft aufgerufen, sich beim Deutschland-Stack einzubringen. Doch in beiden Konsultationsphasen wurde deren Expertise nicht gefragt. Dabei bringt die Zivilgesellschaft Fragen ein, die sonst untergehen. Das zeigt der Workshop zu „KI in der Verwaltung“ des Bündnisses F5. Von Esther Menhard –
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Polizeiliche Kriminalstatistik: Kriminalitätsrate sinkt um fast sechs Prozent

Die von der Polizei erfasste Kriminalität geht in vielen Feldern deutlich herunter. Dennoch will CSU-Innenminister Dobrindt mehr Überwachungmaßnahmen und schärfere Gesetze. Von Markus Reuter –
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Automatisierte Datenanalyse in NRW: Palantir-Gesetz nicht verfassungskonform

Die Datenschutzbeauftragte von Nordrhein-Westfalen geht mit der im neuen Polizeigesetz geregelten automatisierten Datenanalyse hart ins Gericht. In ihrem Tätigkeitsbericht bezweifelt sie die Rechtmäßigkeit der Norm, die den Einsatz von Palantir-Software erlaubt. Der NRW-Innenminister Herbert Reul liebäugelt mit Palantir-Alternativen. Von Constanze –
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Weizenbaum Report 2026: Demokratie erfordert Trotz

Die Bevölkerung nimmt Gewalt gegen Politiker:innen zunehmend als Bedrohung für die Demokratie wahr. Zu dieser Einschätzung kommt der aktuelle Weizenbaum-Report zu politischer Partizipation. Auch Hass und Falschinformationen prägen den Alltag im Netz und beeinflussen die Bereitschaft zur Teilnahme an gesellschaftlichen Debatten. Von Denis Glismann –
Artikel lesen

Uneingelöstes Versprechen auf digitale Souveränität: Europäischer Bezahldienst Wero nutzt Amazon-Server

Wero verspricht mehr digitale Unabhängigkeit und will eine europäische Alternative zu US-Bezahldiensten sein. Doch der Dienst nutzt ausgerechnet Cloud-Infrastruktur der Amazon-Tochter AWS. Das ist auch ein Sicherheitsrisiko für die dort hinterlegten Daten. Von Daniel Leisegang –
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Nach Enthüllungen zur Überwachungsbrille: Meta kündigt Outsourcing-Firma, die entlässt daraufhin 1000 Menschen

Meta verletzte mit seinen „Smart Glasses“ die Privatsphäre der eigenen Nutzer:innen. Leidtragende des Vorfalls sind nun ausgerechnet Datenarbeiter:innen in Kenia, denen das intime Material zur Bewertung vorgesetzt wurde. Von Markus Reuter –
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Amnesty Report : „Bundesregierung bedient sich bewährter Instrumente autoritärer Politik“

Die Bundesregierung geht gegen zivilgesellschaftliche Organisationen vor, streicht Gelder und lässt Akteure durch den Verfassungsschutz überprüfen. Diese und andere Freiheitseinschränkungen sowie den Ausbau der Überwachung in Deutschland kritisiert der weltweite Menschenrechtsbericht von Amnesty International. Von Markus Reuter –
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Fachleute fordern: Bundesregierung muss KI auf Klima-Kurs bringen

Der KI-Boom wird mehr und mehr zum Problem für Umwelt und Klima. Expert:innen haben jetzt für das Umweltministerium skizziert, wie eine nachhaltigere Alternative aussehen könnte. Ihr Gutachten vermeidet Kritik am aktuellen Kurs, die Empfehlungen laufen jedoch auf eine drastische Politikwende hinaus. Von Ingo Dachwitz –
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Rotlichtviertel Frankfurt am Main: Hier analysiert die Polizei jedes Gesicht

Frankfurt am Main ist ein Freiluftlabor für automatisierte Gesichtserkennung. Die Bilder von Überwachungs-Kameras werden permanent nach bestimmten Personen durchsucht, bei Kontrollen nutzt die Polizei eine Foto-App, um Menschen zu identifizieren. Dabei bleiben hier viele lieber unerkannt: Die Videokameras zeigen auf die Eingänge von 16 Bordellen. Von Martin Schwarzbeck –
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Dritter Versuch: Bundesregierung beschließt anlasslose Vorratsdatenspeicherung

Die Bundesregierung nimmt einen dritten Anlauf zur Vorratsdatenspeicherung. Internet-Zugangs-Anbieter sollen IP-Adressen aller Nutzer speichern – anlasslos und massenhaft. Internet-Dienste wie E‑Mails und Messenger müssen auf Anordnung ebenfalls Daten speichern und herausgeben. Von Andre Meister –
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Familienministerium: Fachleute blenden Gefahren von Alterskontrollen aus

Die Familienministerin will ein Social-Media-Verbot für Minderjährige. Die von ihr berufenen Expert*innen eher nicht. Das zeigt deren erster Bericht – der jedoch eine gefährliche Leerstelle bei Alterskontrollen lässt. Die Analyse. Von Sebastian Meineck –
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Attacke auf Politik und Journalismus : Signal-Phishing gegen Julia Klöckner erfolgreich

Laut dem Verfassungsschutz soll das Phishing über den Messenger Signal so erfolgreich sein, dass „zahlreiche Signal-Gruppen im parlamentarischen Raum derzeit von den Angreifern nahezu unbemerkt ausgelesen werden“. Auch der Account der CDU-Bundestagspräsidentin wurde übernommen. Von Markus Reuter –
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Informationsfreiheit: Thüringen will sich von Transparenz entlasten

In einem „Entlastungsgesetz“ der Thüringer Brombeerkoalition versteckt sich die Abwicklung staatlicher Transparenzpflichten. Zivilgesellschaftliche Organisationen fordern stattdessen eine Verbesserung des bestehenden Transparenzgesetzes und mehr Digitalisierung in der Verwaltung. Von Denis Glismann –
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Relaunch: Alles so schön neu hier

Wir haben der Website ein neues Outfit verpasst. Aber auch unter der Haube hat sich jede Menge getan. Hier erfahrt ihr, was wir alles gemacht haben. Wir freuen uns über das neue Design und sind gespannt auf euer Feedback. Von netzpolitik.org –
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alt

by Anna Biselli at April 25, 2026 04:10 PM

Metalab

Frühjahrsputz (2026-05-15 06:00:00)

Frühjahrsputz (2026-05-15 06:00:00)

April 25, 2026 12:00 PM

Netzpolitik.org

Alles so schön neu hier

Neun Jahre lang hat sich die Website von netzpolitik.org optisch kaum verändert. Doch seit dem 25. April 2026 haben wir ein neues Design. Wir freuen uns sehr auf die Möglichkeiten, die unsere neue Website bereithält.

Aus vergangenen Relaunches kennen wir dieses Gefühl: Oh, das ist jetzt aber ungewohnt. Denn immerhin ist so eine Seite ein täglicher Begleiter und auf einmal sieht das ganz anders aus. Es braucht ein bisschen neue Orientierung, aber dann findet sich der Blick schneller zurecht als wir zuerst denken.

Der Relaunch bringt nicht nur optisch Neues, sondern bietet auch viele neue Möglichkeiten für unsere Inhalte.

Veränderung auf der Startseite

Der Aufbau der Startseite wird dynamischer als bisher. Seit vielen Jahren hat sich der Grundaufbau der Seite aus festen Kategorien wie „Überwachung“, „Datenschutz“ und „Nutzer:innenrechte“ ergeben – ergänzt durch einzelne Themencontainer zu aktuellen Highlights. Das hat dazu geführt, dass in einigen Kategorien ältere Texte lange auf der Seite blieben, während in anderen Kategorien schon nach wenigen Tagen die Texte verschwanden. Wir wollen ab jetzt stärker kuratieren, welche Themenblöcke aktuell wichtig sind und wo sich viel bewegt. Es wird in Zukunft also weniger in großen Kategorien gedacht, sondern in Themen, Debatten und Schwerpunkten.

Im netzpolitischen Themenfeld hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Das soll nun auch bei uns sichtbarer werden. Dazu gibt es auch die aktuellen “Themen” oben in der Navigation. Sie zeigen, was gerade wichtig ist – und geben Zugang zur gesamten Berichterstattung zu einem  Schlagwort.

Eine Computer, über dem die Jahreszahl 2005 steht, dessen Bildschirm das damalige Design der Homepage von netzpolitik.org zeigt.
Eine Computer, über dem die Jahreszahl 2011 steht, dessen Bildschirm das damalige Design der Homepage von netzpolitik.org zeigt.
Eine Computer, über dem die Jahreszahl 2014 steht, dessen Bildschirm das damalige Design der Homepage von netzpolitik.org zeigt.
2017 Computer, über dem die Jahreszahl 2014 steht, dessen Bildschirm das damalige Design der Homepage von netzpolitik.org zeigt.
Eine Computer, über dem die Jahreszahl 2026 steht, dessen Bildschirm das damalige Design der Homepage von netzpolitik.org zeigt.

Aber keine Sorge: Natürlich gibt es weiterhin eine chronologische Ansicht, wenn ihr lieber alle Texte in der Reihenfolge der Veröffentlichung lesen wollt. Wir möchten verschiedene Gewohnheiten und Zugänge zur Seite berücksichtigen.

Wir haben mit dem neuen Design nun deutlich mehr Optionen, wenn ein Artikel neben Buchstaben auch andere Elemente enthalten soll. Bisher fehlten uns Möglichkeiten, schöne Bilderstrecken oder opulente Fotos einzubinden oder auf einfache Art Audio- und Videoinhalte darzustellen. Das und vieles andere bei der Seitengestaltung haben sich deutlich vereinfacht. Dabei ist die Seite auch responsiver geworden, ist also besser auf verschiedene Ansichten vom Laptop über das Tablet bis zum Smartphone optimiert. Was sich alles geändert hat, werdet ihr nach und nach merken, wenn wir Artikel und Podcasts mit den neuen Features veröffentlichen.

Mehr Abwechslung und mehr Kontrast

Uns war es wichtig, auf besser lesbare und kontrastreichere Farbkombinationen umzusteigen. Das heißt zum Beispiel: „Unser“ Blau ist ein wenig dunkler geworden. Die Schrift ist im hellen Modus nun nicht mehr dunkelgrau, sondern schwarz. Das und vieles weitere soll das Lesen angenehmer gestalten.

Vor allem in der mobilen Ansicht gibt es jetzt mehr Abwechslung und wir haben die Möglichkeit, euch auch dort Anreißertexte anzuzeigen. Da uns viele Menschen vor allem über ihr Smartphone lesen, war das lange überfällig. Es gibt auf der Mobilseite jetzt mehr zu sehen als jede Menge Überschriften mit klitzekleinen Bildern. Wir hoffen, dass euch das bei der Orientierung hilft und mobil mehr Spaß macht!

Für die Rechercheur:innen unter euch ist unsere Suchfunktion ordentlich aufgemöbelt worden. Ihr könnt nach Jahren filtern, die Sortierung wählen und die Relevanz der Suchergebnisse hat sich deutlich verbessert. Das soll dafür sorgen, dass ihr schneller das findet, was ihr sucht – ohne auf eine große externe Suchmaschine zurückgreifen zu müssen.

Technisch haben wir uns mit dem Relaunch wieder mehr an den Kern des von uns genutzten CMS WordPress angenähert. Früher haben wir die Seite und die Inhalte mit einem selbst entwickelten Plugin unserer Agentur „gefahren“. Damals hatte WordPress noch nicht so viele Optionen, um eine Nachrichtenseite sinnvoll zu bedienen. Da hat sich viel getan: Mit dem Relaunch nutzen wir jetzt Funktionalitäten, die WordPress selbst an Bord hat.

Und: Wir haben nun endlich auch einen Darkmode, den sich viele von euch immer wieder gewünscht haben.

Was sich nicht ändern wird

Egal wie netzpolitik.org aussieht, es gibt Dinge, die sich auf keinen Fall ändern werden: In unserem Fokus steht gemeinwohlorientierter Journalismus. Wir arbeiten und kämpfen für digitale und analoge Freiheitsrechte. Wir berichten aus der Perspektive der digitalen Zivilgesellschaft. Und wir wünschen uns, dass unsere Recherchen, Kommentare, Analysen, Berichte und vieles mehr für alle frei zugänglich sind. Und hoffentlich in Zukunft noch mehr Menschen erreichen. Dafür soll auch der Relaunch ein Schritt von vielen sein.

Unterstützt dabei hat uns insbesondere die Agentur Palasthotel. Das Palasthotel-Team hat den Relaunch geleitet, das Design erarbeitet und technisch umgesetzt. Mit großer Geduld hat Palasthotel unsere Wünsche umgesetzt und uns an einigen Stellen geholfen herauszufinden, was eigentlich diese Wünsche sind. Vielen Dank!

Nun ist die Seite raus aus der Werkstatt und für euch alle im Netz. Schaut euch gerne um und schreibt uns in den Ergänzungen oder über relaunch@netzpolitik.org, wenn euch etwas auffällt. Es finden sich sicher noch hier und da Fehler und wir freuen uns, wenn ihr uns meldet, wenn euch einer auffällt.

Wir haben uns angeschnallt und sind auf ein paar Turbulenzen eingestellt. Vor allem aber wünschen wir euch jetzt: Viel Spaß!

by netzpolitik.org at April 25, 2026 11:23 AM

April 24, 2026

CCC Media

Libre Graphics Meeting 2027 (lgm2026)

We find out more about the next editions of the LGM 2027, in Linz, Austria, and 2028, wherever it might be. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/TSHCEZ/

Video:lgm2026-110688-eng-Libre_Graphics_Meeting_2027_hd.mp4

April 24, 2026 10:00 PM

The Power of Node Driven 2D Workflows (lgm2026)

We’ve released PixiEditor 2.0 about half a year ago, it’s a node driven 2D editor capable of raster editing, animations and native vector editing. I’d be more than happy to give a presentation about it, how node driven workflow can change thinking when creating graphics and incoming (or released by then) node-based brush engine. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/BMZ9YW/

Video:lgm2026-110687-eng-The_Power_of_Node_Driven_2D_Workflows_hd.mp4

April 24, 2026 10:00 PM

UpStage (lgm2026)

The last year has been another busy time for UpStage: we have secured a new hosting sponsorship with Prodigi.nz, and our development team is investigating AI tools. Lead developer Gloria W. will explain how training Cursor on the UpStage code has allowed us to create new features and find difficult bugs in record time. These improvements and new features will be rolled into future versions of UpStage, after we stabilise our new deployment environment. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/Y8R77T/

Video:lgm2026-110686-eng-UpStage_hd.mp4

April 24, 2026 10:00 PM

Learnings from Our first 3D Game in Godot (lgm2026)

We are motionensemble, a small independent Animation Studio which mainly makes short explainers and shortfilms for small NGOs. In late 2025 we made our very first game. We chose the Godot (open source Game-) Engine because it had to run in a browser but we also wanted to utilize our favorite 3D tool in the process: Blender. We would like to share our experience about the process: What it was like making our first game. How easy / hard it was to adapt to the new tool and… give some broad overview how godot can be used to make pretty much anything: 2D / 3D Apps, Games, simple websites and even interactive books to learn something etc. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/TEGTWF/

Video:lgm2026-110685-eng-Learnings_from_Our_first_3D_Game_in_Godot_hd.mp4

April 24, 2026 10:00 PM

Imposition methods for bookbinding (lgm2026)

Bookbinding involves cutting, folding, and stacking pages to create a single stack of papers, bound in various ways. This talk will discuss ways to do these things with open source software, particularly interfaces designed for this purpose such as some new things in Laidout. With almost everything becoming digital, also discussed will be some ways to impose material onto a few digital end points. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/WMKRMB/

Video:lgm2026-110684-eng-Imposition_methods_for_bookbinding_hd.mp4

April 24, 2026 10:00 PM

TypeRoof – The March to v1 (lgm2026)

tbd Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/NG9DSV/

Video:lgm2026-110683-eng-TypeRoof_-_The_March_to_v1_hd.mp4

April 24, 2026 10:00 PM

Headless Hydra: Live coding on improbable devices (lgm2026)

Live coding is an artistic practice that creates sound or video by editing source code in real time, often from scratch. Originating in TOPLAP, it has over two decades evolved a distinctive aesthetic and nurtured a diverse and inclusive community. Live coding has a strong open-source ethic and has produced a wealth of frameworks and tools for creative expression. One of these is Hydra, a browser-based visual live coding environment created by Olivia Jack. Its Javascript syntax is inspired by analog video synthesis, and it compiles to WebGL under the hood. Computation has become largely centralized in the hands of a few megacorporations aligned with authoritarianism. As a practice that fosters individual expression, creativity and sharing, live coding is a form of resistance in this context. In that way it is a soul sister of permacomputing, which is about resilience and regenerativity inspired by permaculture. Headless Hydra is an open-source tool for live coding on permacomputing devices. I created Headless Hydra, which is still evolving, as a bare-metal version of Olivia Jack’s environment with no WebGL. The animations are rendered on low-end devices like a 2016 Samsung phone running PostmarketOS, or a second-hand Raspberry Pi connected to a color TV. The tool itself is a dependency-less Go program started from the command line in an SSH session, on a system with no X11. Join me on this crossover experiment between live coding and permacomputing! The presentation features a smartphone running Linux, and a Raspberry Pi connected to a CRT television. Together we will reclaim the means of computation, and have a rebellious amount of fun along the way. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/3DT9YL/

Video:lgm2026-110682-eng-Headless_Hydra_Live_coding_on_improbable_devices_hd.mp4

April 24, 2026 10:00 PM

Metalab

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-07-10 18:00:00)

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-07-10 18:00:00)

April 24, 2026 06:00 PM

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-08-07 18:00:00)

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-08-07 18:00:00)

April 24, 2026 06:00 PM

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-09-04 18:00:00)

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-09-04 18:00:00)

April 24, 2026 06:00 PM

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-10-02 18:00:00)

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-10-02 18:00:00)

April 24, 2026 06:00 PM

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-11-06 18:00:00)

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-11-06 18:00:00)

April 24, 2026 06:00 PM

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-12-04 18:00:00)

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-12-04 18:00:00)

April 24, 2026 06:00 PM

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-06-05 18:00:00)

Chaos Comunication Cennenlernen (2026-06-05 18:00:00)

April 24, 2026 06:00 PM

Chaos Comunication Combo (2026-10-02 18:30:00)

Chaos Comunication Combo (2026-10-02 18:30:00)

April 24, 2026 05:00 PM

Chaos Comunication Combo (2026-08-07 18:30:00)

Chaos Comunication Combo (2026-08-07 18:30:00)

April 24, 2026 05:00 PM

Chaos Comunication Combo (2026-07-10 18:30:00)

Chaos Comunication Combo (2026-07-10 18:30:00)

April 24, 2026 05:00 PM

Chaos Comunication Combo (2026-06-05 18:30:00)

Chaos Comunication Combo (2026-06-05 18:30:00)

April 24, 2026 05:00 PM

Chaos Comunication Combo (2026-12-04 18:30:00)

Chaos Comunication Combo (2026-12-04 18:30:00)

April 24, 2026 05:00 PM

Chaos Comunication Combo (2026-09-04 18:30:00)

Chaos Comunication Combo (2026-09-04 18:30:00)

April 24, 2026 05:00 PM

Chaos Comunication Combo (2026-11-06 18:30:00)

Chaos Comunication Combo (2026-11-06 18:30:00)

April 24, 2026 05:00 PM

Netzpolitik.org

Bürokratieabbau darf nicht zu Demokratieabbau werden.

Liebe Leser:innen,

Entlastungsgesetz, so was klingt erst mal gut. Aber wenn man öffentliche Stellen vor allem von ungeliebten Transparenzpflichten entlasten will, dann klingt das gar nicht mehr so super. Gerade weil sich Transparenz auch mit weniger Belastung erreichen ließe. Dann würde nichts leiden und alle hätten was davon: Staat, Menschen und am Ende die Demokratie. Mein Kollege Denis hat die Diskussion um ein geplantes Gesetz in Thüringen für euch zusammengefasst.

Auch im Ticker geht es um Transparenz – bei der häuslichen Videoüberwachung.

Viele Grüße

anna

by Anna Biselli at April 24, 2026 03:48 PM

Metalab

Otteraudio ausmessen und arbeiten (2026-04-26 13:00:00)

Otteraudio ausmessen und arbeiten (2026-04-26 13:00:00)

April 24, 2026 12:00 PM

April 23, 2026

CCC Media

Design Students Experimenting with Free Software (lgm2026)

For design students, software is a basic and everyday working tool. When teaching design, the question of how much software should be taught is as persistent as it is relevant. In this talk, I present some notes on an assignment given to design university students from several disciplines, in which they are asked to identify and test free and open-source software for a common task in their daily practice, and to produce a short evaluation and public review. The assignment aims to introduce the free software philosophy through a practical approach. It includes an introduction to the basics of free software, community building, and the presentation of case studies such as Blender and its animated films. This activity is preceded by a theoretical reflection on software from the perspective of Vilém Flusser’s black box theory. Student reviews reveal several recurring themes regarding the relationship between design and software. One of the most common is the lack of basic technical understanding of the functions encoded in user interfaces, along with a certain blind trust in the “wizard” assistance provided by proprietary software. This issue has deep pedagogical implications for design education, since at some point developing technical competence in design seems to be reduced to becoming “an advanced user” of a specific software suite. The assignment asks students to distinguish between two different situations when testing the selected free software: the uncomfortable sensation of lack of knowledge or speed when learning a new tool - in comparison to performing the same task in familiar software-, and the objective issues of usability or missing functionalities in the tested software. As a general conclusion, most students value both the experience of discovering free software suited to their specific needs and the testing process itself as a meaningful alternative. Some students also discover a new world to explore and experiment. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/W8BELX/

Video:lgm2026-110678-eng-Design_Students_Experimenting_with_Free_Software_hd.mp4

April 23, 2026 10:00 PM

Tixl Skill Quest (lgm2026)

Presenting and discussing TiXL’s new interactive learning tour. We broke down the entire knowledge you need to know into linked non-linear learning paths that guide users through a serious of interactive puzzles. Starting with very basics of the using user interface, to buildings node graphs but learning and mastering advanced topics like render pipelines and shaders. About TiXL TiXL is an MIT-licensed tool for real-time graphics and VJing, built entirely by a community of artists and devs—no corporate backing. We’ve grown a lot lately, with our Discord hitting 2,500 members and our GitHub reaching 4k stars. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/SNDEP3/

Video:lgm2026-110677-eng-Tixl_Skill_Quest_hd.mp4

April 23, 2026 10:00 PM

Liblast 3D asset pipeline (lgm2026)

The Liblast 3D asset pipeline is a workflow and template for developing and (re-)using 3D game assets. The pipeline stems from identifying worrying trends in 3D game asset life cycles. Chase of highest fidelity has been driving game production cost, team size and completion time up, while driving all the other qualities down. This has been excelently put by Isaque Sanches in his 2022 presentation “The Case Against Visual Fidelity.” Ongoing issues: High memory/bandwidth: assets require a lot of storage to produce and reproduce. Simply put model and texture project and shipping file sizes are out of control Artists burn a lot of time on repetitive, automatable tasks. Most work done on 3D assets is not that creative, and can be separated and automated, freeing artist time to be better spent than fixing blemishes in baked normal maps. Copy-paste effect: with traditional pipelines, each asset instance has exactly the the same wear and dirt patterns. This kind of visual repeating pattern is what humans are really good at picking up, and it breaks immersion. Iterating or changing art direction is extremely costly. Simply changing a single detail on a “hero” asset model could require updating (sculpted) highpoly, lowpoly models, updating rigging, re-baking high poly maps, re-generating painted textures, re-painting/drawing parts of textures, updating mesh and texture data in game engine and consequently game builds Scaling fidelity of assets down to accomodate low-performance hardware is very limited. Minimum system requirements are cutting off a large part of the population Our pipeline aims to remedy a lot of the above, making decent visuals cheaper to produce, ship, update, easier to iterate on, pivot art direction and to scale fidelity up or down based on available system performance, broadening your game audience while holistically reducing asset cost. The asset production cost is higher upfront, but after a baseline for your art direction is down, making new assets is becoming much cheaper while fidelity and stylistic coherence remain high. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/LABVSB/

Video:lgm2026-110676-eng-Liblast_3D_asset_pipeline_hd.mp4

April 23, 2026 10:00 PM

Lightning Talks: Friday (lgm2026)

Five 10 minute slots for lightning talks. Sign-up on location! Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/HPU8QF/

Video:lgm2026-110675-eng-Lightning_Talks_Friday_hd.mp4

April 23, 2026 10:00 PM

ReWiring the Video Editor – Timeline as a Node (lgm2026)

This talk presents a UX/UI design study for how a node-based video editor might look like. We will look at how traditional video editing functions from a UX/UI perspective and also see how various node-based creative software approach node-based constructions. Then we propose various ideas on how a video editor that is node based could be made. We look at how data can be organized in time using nodes via different methods of editing. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/GT933L/

Video:lgm2026-110669-eng-ReWiring_the_Video_Editor_-_Timeline_as_a_Node_hd.mp4

April 23, 2026 10:00 PM

Expanding Processing’s Future With a Rust Rendering Engine (lgm2026)

Processing is one of the most influential approaches to creative coding and computer science education. Since its first release in 2001, it has popularized methodologies centered on visual feedback, iterative experimentation, and immediate creative expression—making programming accessible to students, artists, and designers who might not see themselves as “coders.” After 25 years the technological landscape has expectedly completely shifted. We live in a world of graphics APIs designed around modern GPU hardware design and new use cases like GPGPU. LLVM has enabled many programming languages to run on many architectures, and WASM means your compiled code can run in the browser. Come to this technical talk to learn about how we are solving many longstanding technical challenges with an elegant architectural decision. Find out how our desire to bring modern rendering into Processing meaningfully expanded the potentialities of our project by tapping into the rich Rust ecosystem, and the Bevy game engine. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/GVYNF9/

Video:lgm2026-110668-eng-Expanding_Processings_Future_With_a_Rust_Rendering_Engine_hd.mp4

April 23, 2026 10:00 PM

Counterpunch Font Editor: Faster, Safer Complex-Script Design (lgm2026)

A web-based font editor that reduces development time and QA overhead for complex-script projects. Combining a composition-first (ccmp) workflow with real-time HarfBuzz shaping and automatic OpenType feature generation, the editor lets designers edit base glyphs and combining marks once and see derived shapes update immediately. That single-source approach cuts the exponential QA burden of pre-composed derivatives and prevents many production errors while still allowing export of pre-composed fonts for compatibility. #Highlights * ccmp-first composition replaces thousands of manual derivatives with a single source of truth. * Real-time HarfBuzz validation makes production-accurate shaping visible during edits. * Automatic feature generation, Python scripting, and an AI assistant enable batch ops without hand-writing feature code. * Language packs and flexible glyph filters speed review and QA for specific scripts. #Impact Faster delivery, fewer regressions, smaller web fonts, and lower technical barriers for designers working with Indic, Arabic, Vietnamese and other complex scripts. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/GXFEUT/

Video:lgm2026-110667-eng-Counterpunch_Font_Editor_Faster_Safer_Complex-Script_Design_hd.mp4

April 23, 2026 10:00 PM

FLOSS real-time visuals for media arts with ossia score (lgm2026)

This {presentation/workshop} will introduce ossia score to the audience. It is a free and open-source desktop software, running on Linux (including Raspberry Pi), FreeBSD, macOS and Windows, and has been used in artworks showcased in high-profile venues such as Ars Electronica, Nemo Biennale, Venice Architecture Biennale and others. Originally centered on pure show control and music, recent versions have focused more and more on providing a state-of-the-art real-time pipeline for live visual arts. Combining timelines and patch-based metaphors, it now allows visual artists, VJs, installation and performance artists, to freely combine shaders, geometry processing, audio-reactive behaviours and generative AI in a performant, GPU-only rendering pipeline, while being compatible with industry standards in show control, media processing and A/V formats: OSC, DMX, MIDI, Spout, Syphon, NDI and many others. It also enables more advanced users to live-code any kind of shaders on the fly. This presentation will give a quick overview of the general features and concept of the software, and will then delve more in depth in the graphics pipeline, based on Qt RHI, which supports OpenGL, Vulkan, Metal and Direct3D. We will in particular discuss the real-time compute-shader-based geometry pipeline which enables handling tens of millions of particles at interactive frame rates. We will also present the plug-in system, which allows to create from the same code, audio, data, texture and geometry plug-ins for ossia, as well as for alternative software such as Max/MSP and TouchDesigner. In particular, we will focus on AI-based plug-ins which leverage onnxruntime and TensorRT for real-time inference of AI models such as GANs or diffusion models, without requiring complex Python-based runtime dependencies. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/CSR9QJ/

Video:lgm2026-110666-eng-FLOSS_real-time_visuals_for_media_arts_with_ossia_score_hd.mp4

April 23, 2026 10:00 PM

Metalab

MetaRave Orga Treffen (2026-05-05 20:30:00)

MetaRave Orga Treffen (2026-05-05 20:30:00)

April 23, 2026 08:00 PM

Rave Aufbauen (2026-07-03 17:00:00)

Rave Aufbauen (2026-07-03 17:00:00)

April 23, 2026 08:00 PM

Netzpolitik.org

Thüringen will sich von Transparenz entlasten

Die Thüringer Regierungskoalition (CDU, SPD, BSW) will im Namen der Modernisierung ein sogenanntes „Entlastungsgesetz“ verabschieden und damit nach eigenen Angaben die Bürokratie abbauen. Die Maßnahmen haben demnach das „Ziel, Abläufe zu vereinfachen und Ressourcen zu schonen“.

Das sieht Arne Semsrott, Transparenz-Experte und Chefredakteur von FragDenStaat, anders. Gegenüber netzpolitik.org äußert dieser: „Die längst überfällige Veröffentlichungspflicht für Kommunen auf den letzten Metern noch zu streichen, passt zur peinlichen Digitalisierungs- und Demokratieverweigerung von CDU und SPD. Dass der BSW daran mitwirkt, ist auch kein Wunder.“

Die Open Knowledge Foundation (OKF), Wikimedia und der Hackspace Jena kritisieren das Gesetzesvorhaben ausführlich in ihren parlamentarischen Stellungnahmen. Der Stellungnahme des Hackspace schließt sich der Chaos Computer Club (CCC) an. Sie alle kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Das geplante Entlastungsgesetz baut Transparenz gegenüber den Bürger:innen und Presse ab – und verfehlt sein Modernisierungsziel. Bisherige Fortschritte würden mit dem Gesetz zunichtegemacht. Auch das ausgewiesene Ziel der Landesregierung, die Effizienz zu erhöhen, werde verfehlt. Nicht trotz, sondern aufgrund des Rückbaus.

Transparenzpflicht soll Kann-Bestimmung werden


Die Organisationen sehen im Entlastungsvorhaben vor allem einen Rückbau des Thüringer Transparenzgesetzes (ThürTG) aus dem Jahr 2019. Thüringer Behörden stellen aufgrund des Gesetzes amtliche Informationen unaufgefordert auf dem Thüringer Transparenzportal (TTP) zur öffentlichen Verfügung. Diese Veröffentlichungspflichten sollen nun „zusammengekürzt werden – getarnt als ‚Bürokratieentlastung’ “, moniert der CCC.

Die Vorschriften des Transparenzgesetzes sollen in „Kann-Bestimmungen“ umgewandelt werden, die auf Freiwilligkeit setzen und damit zu weniger Transparenz führen, heißt es dazu in der Stellungnahme des Hackspace Jena. „Der geplante § 6 Abs. 3 S. 1 ThürTG schafft die bisherige Transparenzpflicht de facto ab. Die Informationen aus dem gekürzten Katalog können eingestellt werden. Damit ist zu erwarten, dass die ohnehin sehr dürftigen Informationen im TTP noch weniger werden.“

Der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Timo Melzer kritisiert die Änderungen in der Anhörung zum Gesetzesvorhaben. Sein Amt spreche sich deutlich gegen eine Umwandlung von Soll- in Kann-Bestimmungen aus. Dies diene „nicht dem Zweck des Thüringer Transparenzgesetzes, der die Förderung der demokratischen Meinungs- und Willensbildung sowie die Ermöglichung der Kontrolle staatlichen Handelns verfolgt“. Beides sei in der heutigen Zeit „wichtiger denn je, auch gerade im Hinblick auf Fake News“, so Melzer. Ohne eine verbindliche Veröffentlichungspflicht würde zudem die Qualität und Quantität der Informationen im TTP erheblich reduziert werden.

Frustrierendes Transparenzportal


Melzer sagt, dass durch die Änderung sogar ein höherer Verwaltungsaufwand möglich sei. Er ist davon überzeugt, dass die Attraktivität des TTP durch konsequente Digitalisierung gesteigert werden kann. Die tatsächliche Nutzung der Plattform ließe sich demnach erhöhen, wenn die Nutzbarkeit der Webseite verbessert werde. Beispielsweise durch ein verbessertes IT-Design und KI-Unterstützung auf dem Portal.

Der Hackspace Jena kritisiert in diesem Zusammenhang die ohnehin dürftige Bilanz des staatlichen Portals im Vergleich mit anderen Bundesländern: Seit Inkrafttreten des Transparenzgesetzes Im Jahr 2020 seien insgesamt nur 907 Dokumente eingestellt worden. Gleichzeitig habe Hamburg insgesamt 170.000 Dokumente veröffentlicht. In Rheinland-Pfalz seien es 31.000 Dokumente.

Der Hackspace kritisiert auch die technische Umsetzung des Portals selbst: Aus Sicht der Psychologie und Kognitionsforschung führten lange Ladezeiten bereits ab 5 Sekunden zu einem Gefühl von Verunsicherung und Vertrauensverlust bei den Nutzenden. Ab 15 Sekunden sei es Frustration. Nutzende würden eine Webseite unter solchen Umständen wieder verlassen – und beim TTP läge die vollständige Ladezeit zwischen 20 und 47 Sekunden. Netzpolitik.org hat die langen Ladezeiten in einer Stichprobe ebenso nachvollziehen können.

De facto Rückabwicklung zum Informationsfreiheitsgesetz


„Letztlich entwickelt sich das Transparenzgesetz zurück und ist damit im Kern nur noch ein Informationsfreiheitsgesetz“, so der Hackspace Jena in der Stellungnahme. Berichtspflichten an den Landtag entfielen. Beispielsweise für Gutachten, Stellungnahmen von Verbänden und für Kabinettsvorlagen würden Ausnahmen geschaffen. Es würden damit genau jene Dokumente herausgelöst, die für informierte gesellschaftliche Teilhabe zentral seien.

„Ein Ziel eines Transparenzgesetzes sollte es sein, den Bürgerinnen und Bürgern Informationen auch während des normsetzenden Verfahrens zur Verfügung zu stellen“, so Hackspace Jena. Die Ausnahmen sorgten nun dafür, dass Dokumente „erst nach Abschluss des Verfahrens und auf Antrag zur Verfügung stehen“. Damit werde die Möglichkeit eingeschränkt, das Verfahren überhaupt noch beeinflussen zu können.

Informationsfreiheitsgesetze regeln den voraussetzungslosen Zugang zu amtlichen Informationen. Doch unter dieser Maßgabe bleibt Transparenz auf die Eigeninitiative von Bürger:innen und Journalist:innen angewiesen – die Informationen müssen extra angefragt werden. Transparenzgesetze verfolgen demgegenüber das Ziel, die Behörden zu einer unaufgeforderten Veröffentlichung zu verpflichten.

Laut der Stellungnahme der OKF, Betreiberin der Plattform FragDenStaat, werde nun aus der Pflicht, digitale Dokumente vorzulegen, ein Ermessen, dies zu verweigern. Auch die Rechte des Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit würden de facto abgeschwächt.

Abbau von Transparenz führt zu Ineffizienz


Die Thüringer Landesregierung begründet das „Entlastungsgesetz“ mit zwei Hauptargumenten: Die Transparenzpflicht würde Personalressourcen binden. Ein prominent genanntes Beispiel ist dabei der Aufwand durch Schwärzungen. Zudem werde das Portal ohnehin kaum genutzt, während kommerzielle Suchmaschinen in der Regel schnellere Ergebnisse lieferten. Beide Argumente seien laut den Stellungnahmen ungültig – und zwar unter Berufung auf den Evaluationsbericht, den die Landesregierung selbst beim Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung in Auftrag gegeben hat.

Laut der OKF kam das Institut in dem rund 200 Seiten starken Bericht zu dem Ergebnis, dass es am Vollzug der Regelungen mangele – nicht, dass der Verwaltungsaufwand ein Problem darstelle. Vielmehr gäbe es „ ‚deutliche Vollzugsdefizite’ beim Einstellen von Informationen, die auch auf unklare Formulierungen in den §§ 5 und 6 ThürTG zurückzuführen seien“.

„Anstelle einer Abschwächung der Transparenz empfiehlt die Evaluation eine Schärfung der Definitionen sowie die Verfolgung des in anderen Bundesländern gängigen ‚Access for one – Access for all’-Ansatzes, bei dem individuell beantragte Informationen automatisch auch ins Transparenzportal überführt werden“, so die OKF. Es könne zudem keine Lösung sein, die Bereitstellung staatlicher Informationen an Privatkonzerne zu übertragen – zumal bei Suchmaschinen ohnehin nur gelistet werden könne, was vorher auch veröffentlicht wurde.

Regierungskoalition ignoriert Evaluationsbericht


Auch der Hackspace Jena quittiert der Landesregierung insgesamt: „Bei dem vorliegenden Entwurf ist nicht zu erkennen, dass diese Vorschläge umgesetzt worden oder dass diese Erkenntnisse irgendwie in den Entwurf eingeflossen sind.“

Dem Aufwand von Schwärzungen ließe sich durch eine konsequente Digitalisierung der Verwaltung ebenfalls begegnen, so die Stellungnahme von Wikimedia, und zwar automatisiert, „technisch wirksam und ohne weiteres Zutun“ indem personenbezogene Sachverhalte in Dokumenten maschinenlesbar codiert werden. Es sei demnach die IT-Infrastruktur zu modernisieren, die gleichsam die Voraussetzung für weitere Modernisierungsvorhaben sei.

„Die geplanten Änderungen des Thüringer Transparenzgesetzes gehen an der ausweislichen Zielstellung des Thüringer Entlastungsgesetzes vorbei“, kritisiert Wikimedia ferner. Wenn die Handlungsfähigkeit und Effizienz der Verwaltung durch das ThürTG beeinträchtigt werde, sei dies lediglich ein Indikator für mangelnde Verwaltungsdigitalisierung. Die automatisierte Veröffentlichung von Dokumenten schaffe nicht nur Transparenz, sondern auch eine Grundlage für viele weitere alltägliche Behördenabläufe – intern oder im Austausch mit den Bürger:innen.

Probleme bei personellen Ressourcen ausgerechnet durch den Abbau von Transparenzvorschriften lösen zu wollen, sei deshalb kontraproduktiv, so Wikimedia. Grundlegende Ursachen würden dadurch nicht angegangen, sondern lediglich die „sichtbaren Konsequenzen abgeschafft“. Dies mache es in der Zukunft umso schwerer, Effizienzprobleme zu erkennen.

Gemeinde- und Städtebund begründet mit Personalmangel


Dr. Carsten Rieder, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Gemeinde- und Städtebundes Thüringen, argumentiert in der Anhörung zum Gesetzesvorhaben dennoch mit einer Mehrbelastung für die Kommunen. Transparenz werde prinzipiell unterstützt, aber durch die Pflichten entstünden personelle Mehrbelastungen im Verwaltungsalltag. Zudem gäbe es Berichte von Einzelfällen, in denen Verwaltungseinheiten mit Anfragen überhäuft würden. Die Transparenzgesetze könnten demnach „ansatzweise missbräuchlich“ genutzt werden, um „Verwaltungen lahmzulegen“.

Melzer sieht auch in dieser Hinsicht das Potenzial bei technischen Lösungen, die Missbrauch verhindern können. Nach seinem Kenntnisstand würden Mitarbeitende der Kommunen das TTP zudem selbst nutzen, um sich einen schnellen Informationsüberblick zu verschaffen.alt

by Denis Glismann at April 23, 2026 03:35 PM

Signal-Phishing gegen Julia Klöckner erfolgreich

Die Phishing-Attacken auf dem Messenger Signal gegen prominente Personen aus Politik und Journalismus sind offenbar erfolgreich. Nun ist bekannt geworden, dass auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner auf den Phishing-Versuch hereingefallen ist. Nach Informationen von netzpolitik.org waren die Angreifer bei mindestens einem weiteren Bundestagsabgeordneten sowie mehreren Angehörigen großer Redaktionen erfolgreich.

„Es ist davon auszugehen, dass so zahlreiche Signal-Gruppen im parlamentarischen Raum derzeit von den Angreifern nahezu unbemerkt ausgelesen werden“, heißt es in der 20-seitigen Warnung des Verfassungsschutzes (BfV) an Bundestagsabgeordnete, aus der der Spiegel zitiert. Dem BfV seien bereits „zahlreiche hochrangige Betroffenheiten“ bekannt geworden, so der Bericht weiter. Angesichts der Art der Angriffe vermutet der Geheimdienst laut dem Spiegel allerdings eine „deutlich höhere Dunkelziffer“.

Zusammen mit Netzwerk Recherche hatte netzpolitik.org Informationen gesammelt, wer im Journalismus wann die Phishing-Attacke zugesandt bekam. Demnach hatten hierzulande deutlich mehr als 100 Journalist:innen aller Mediengattungen und zahlreicher Medienhäuser den Angriffsversuch erhalten.

Unter den Angegriffenen sind viele Journalist:innen aus dem investigativen Bereich sowie mehrere sehr prominente Vertreter:innen der Medienbranche. Die Angriffe laufen nach Informationen von netzpolitik.org seit September 2025. Dabei wurden manche Personen auch schon mehrfach von den Angreifern angeschrieben, manche bis zu vier Mal.

Bei der Phishing-Attacke, über die netzpolitik.org als erstes in Deutschland berichtet hat, schreiben die Angreifer eine Nachricht im Namen des Signal-Supports an die betroffene Person, in der sie behaupten, dass deren Account attackiert werde. Dazu fordert der falsche Support, dass die Nutzer:innen ihren Verifizierungscode senden. Geben die Nutzer:innen diesen und ihre Signal-PIN an die Angreifer, können diese den Account übernehmen und damit Kontakte, Netzwerke, Chats und Chatgruppen aus- und mitlesen.

Immer mehr Spuren beim Messenger-Phishing weisen auf Russland

Viel spricht für Russland als Urheber des Angriffs


Das niederländische Verteidigungsministerium hatte Anfang März gesagt, dass Russland hinter der laufenden Phishing-Kampagne gegen hochrangige Personen aus Politik, Militär, Zivilgesellschaft und Journalismus stecken soll. BSI und Verfassungsschutz hatten vor den Attacken gewarnt und diese als „wahrscheinlich staatlich gesteuert“ bezeichnet.

In einer Mitteilung auf der Webseite des niederländischen Verteidigungsministeriums sprechen sowohl die militärische Geheimdienst MIVD als auch der zivile Geheimdienst AIVD nun von „russischen Staatshackern“, die hinter dem Angriff auf Signal und WhatsApp stecken würden. Auch netzpolitik.org hat Hinweise, welche die Theorie einer russischen Urheberschaft des Angriffs untermauern.

Das Medienhaus Correctiv hatte zudem den Angriff auf den früheren Vizepräsidenten des Bundesnachrichtendienstes, Arndt Freytag von Loringhoven, ausgewertet und ist dabei auch auf digitale Spuren gestoßen, die nach Russland führen.

Verfassungsschutz und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatten vor einigen Tagen noch einmal vor der Phishing-Attacke gewarnt und auch einen Leitfaden für Betroffene veröffentlicht.alt

by Markus Reuter at April 23, 2026 12:49 PM

Fachleute blenden Gefahren von Alterskontrollen aus

Mit einem pauschalen Social-Media-Verbot ist Kindern und Jugendlichen eher nicht geholfen, dafür sind die Gefahren und Vorteile des Internets zu komplex. Das geht hervor aus dem mit Ungeduld erwarteten ersten Bericht der Unabhängigen Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ vom 20. April. Im Vorfeld hatte Familienministerin Karin Prien (CDU) für ein Social-Media-Verbot geworben.

Auf 128 Seiten fächern die von ihr beauftragten Fachleute nun auf, was jungen Menschen im Netz passieren kann, und wo Hilfe ansetzen könnte. Dabei geht es nicht nur um Technologien und Plattform-Regulierung, sondern auch um die Rolle von Eltern, Schulen oder Ärzt*innen.

Die aktuelle Bestandsaufnahme soll lediglich „Handlungsfelder“ beschreiben. Konkrete Handlungsempfehlungen wollen die Expert*innen erst Ende Juni vorlegen. Erkennen lässt sich dennoch, in welche Richtung manche Empfehlungen gehen könnten. So legt der Bericht unter anderem strenge Alterskontrollen nahe.

Auf die Gefahren dieser Maßnahme für Privatsphäre, Datenschutz und Teilhabe aller Menschen im Netz gehen die Fachleute jedoch nicht ein. Diese Leerstelle fällt umso mehr ins Auge, weil im März mehr als 400 Forscher*innen aus 29 Ländern in einem offenen Brief eindringlich vor Alterskontrollen gewarnt hatten.

Unsere Analyse zeigt: Ohne kritische Auseinandersetzung mit den Technikfolgen von Alterskontrollen drohen die Expert*innen des Familienministeriums einen Kernaspekt der Debatte zu unterschätzen.

Die 5C-Typologie: Das droht jungen Menschen im Netz


Ausführlich beschreiben die Expert*innen zunächst, was jungen Menschen im Netz drohen kann. Dabei nutzen sie die sogenannte 5C-Typologie. Das Modell sortiert die Phänomene in fünf Gruppen, die mit dem Buchstaben C beginnen.

  1. Content: Hier geht es um für junge Menschen potenziell schädliche Inhalte wie Gewalt, Hass und Pornografie, aber auch Fehl- und Desinformation.
  2. Contact: Im persönlichen Kontakt können Erwachsene junge Menschen etwa in Abhängigkeitsverhältnisse locken und sexuell erpressen, sie stalken oder für extremistische Ideologien rekrutieren.
  3. Conduct: Diese Risiken drehen sich um Verhalten unter Minderjährigen; hier können junge Menschen sowohl Opfer als auch Täter*innen sein. Es geht unter anderem um Mobbing, sexuelle Belästigung oder Communitys, in denen sich junge Menschen dazu motivieren, sich selbst zu verletzen.
  4. Contract: Hier geht es um Risiken, die sich auf Verträge oder kommerzielle Ausnutzung beziehen. Junge Menschen können etwa durch manipulative Designs oder glücksspielähnliche Mechanismen dazu verleitet werden, ihr Taschengeld zu verprassen.
  5. Cross-cutting: Zuletzt soll eine Sammelkategorie namens Querschnitt weitere Risiken bündeln, etwa Verletzung der Privatsphäre, negative Folgen für die Gesundheit wie Bewegungsmangel oder auch Diskriminierung.


Wie schlecht geht es jungen Menschen also in der digitalen Welt? Der Bericht fasst hierzu viele Studien zusammen, das Gesamtbild ist ambivalent. Manches ist alarmierend – etwa, dass 4,7 Prozent der 10- bis 17-Jährigen in Deutschland „die Voraussetzungen für eine pathologische Nutzung sozialer Netzwerke“ erfülle sollen. Andere Befunde wiederum machen Mut – etwa dass sich soziale Medien positiv auf die „Lebenszufriedenheit“ auswirken können.

Typisch Wissenschaft: Es kommt drauf an


Für die Debatte um ein Social-Media-Verbot liefert die Bestandsaufnahme zwei wichtige Differenzierungen. Erstens zeigt die 5C-Typologie eindrücklich: Digitale Gefahren für junge Menschen lassen sich nicht auf soziale Medien reduzieren. Sie umfassen unter anderem auch Messenger (etwa beim Mobbing), Websites (etwa bei Gewaltdarstellungen) oder die Gaming-Welt (etwa bei manipulativen Designs). Ein Zuschnitt allein auf soziale Medien dürfte den Punkt verfehlen.

Zweitens zeigen die Schilderungen zum Forschungsstand: Digitale Gefahren für junge Menschen lassen sich nicht nur am Alter oder der Bildschirmzeit festmachen. „Aus der bisherigen Forschung lässt sich ableiten, dass digitale Risiken und Belastungen nicht für alle Jugendlichen gleichermaßen auftreten, sondern nach Geschlecht, Alter, und soziodemografischem Kontext variieren können“, schreiben die Forschenden.



Es sei „entscheidend, nicht nur die Nutzungsdauer zu betrachten, sondern auch typische Nutzungsweisen sowie die Inhalte, denen Jugendliche ausgesetzt sind.“ Mehrere Studien würden betonen, „dass Auswirkungen digitaler Technologien weder einheitlich negativ noch einheitlich positiv sind, sondern die Wirkungen variieren – je nach Persönlichkeit, Nutzungsform, Plattform, Zeitverlauf und Lebenslage.“

Herunterdampfen lässt sich das auf die Formel: Es kommt drauf an.

Als anschauliches Beispiel nennen die Expert*innen junge Menschen, die Depressionen oder Angststörungen haben. Für sie kann etwa der soziale Vergleich durch Likes besonders belastend sein. Ein anderes Beispiel sind junge Menschen, die aufgrund emotionaler oder sexueller Misshandlung traumatisiert sind. Für sie wiegen Phänomene wie Mobbing oder nicht-einvernehmliche sexualisierte Kontaktaufnahme schwerer.

Zugleich halten die Expert*innen fest, wie wichtig die digitale Welt gerade für vulnerable junge Menschen sein kann:

(Digitale) Verbundenheit hat insbesondere für Jugendliche in isolierten Lebenssituationen einen hohen Stellenwert. Eine besonders konsistente Erkenntnis ist, dass marginalisierte Jugendliche überdurchschnittlich stark von Social Media profitieren. Dies betrifft queere Jugendliche, ethnische oder religiöse Minderheiten sowie Menschen mit Behinderungen oder mit chronischen Erkrankungen.

Für diese Gruppen und insbesondere für Gruppenangehörige aus ländlichen Regionen sind digitale Räume häufig die einzigen Orte, an denen sie akzeptierende Gemeinschaften finden, ihre Identität ausdrücken können und verlässliche Peer-Unterstützung erfahren. Plattformen werden damit zu einem niedrigschwelligen Zugangspunkt zu emotionaler Hilfe und stabilisierenden Beziehungserfahrungen.


Mit Blick auf die Rechtslage schlussfolgern die Expert*innen, es bedürfe „einer besonderen Begründung pauschaler Nutzungsverbote, die sich undifferenziert auf ganze Altersgruppen von Nutzenden erstrecken“. Kurzum: Der Bericht ist ein Dämpfer für alle, die sich Rückenwind für ein Social-Media-Verbot erhofft hatten.

Zumindest in ihrer Reaktion auf den Zwischenbericht hat Familienministerin Prien nicht erneut auf ein Social-Media-Verbot gepocht, sondern sich differenziert und zurückhaltend geäußert: „Es wird darum gehen müssen, bestehende rechtliche Instrumente konsequent durchzusetzen und diese durch einen breiten Instrumentenkasten auf verschiedenen Ebenen zu ergänzen.“ Die Ministerin erwarte nun „mit Spannung die konkreten Handlungsempfehlungen“.

Von Eltern bis Ärzt*innen: Diese Menschen sollen Kindern helfen


Aktuell dreht sich die öffentliche Debatte um Jugendschutz im Netz vor allem um Regulierung und Technologien. Große Teile des Zwischenberichts haben dagegen einen anderen Fokus: Menschen.

Ausführlich gehen die Expert*innen auf die Rolle von Eltern ein. Aus dem Bericht geht hervor: Die Erwachsenen sollen erst einmal selbst das Handy weglegen: „Elterliches Medienverhalten, Erziehungsstil und mediale Vorbildfunktion beeinflussen das Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen.“

Programme für Prävention würden vor allem Eltern erreichen, die schon sensibilisiert sind, heißt es weiter. „Manche Eltern werden nur schwer oder gar nicht erreicht.“ Der Grund: Ein Großteil der Angebote für Eltern sei lediglich auf Deutsch und würde die „unterschiedlichen Lebenslagen von Familien“ nicht adressieren. Das deutet darauf hin, dass aktuelle Hilfsangebote wohl Familien benachteiligen, die ohnehin weniger Privilegien haben.

Wichtig ist dem Bericht zufolge außerdem, dass Eltern und Schulen an einem Strang ziehen: „Digitale Erziehung ist wirksamer, wenn Schule und Elternhaus konsistente Normen und Regeln festlegen“, so die Expert*innen. Ein wirksamer Erziehungsstil setze auf „Wärme, Struktur und Partizipation“. Die Formulierung lässt aufhorchen: Wärme statt Verbote.

Neben Eltern und Lehrer*innen gehen die Expert*innen auf weitere Menschen ein, die helfen können, gerade um „Familien mit Unterstützungsbedarf tatsächlich zu erreichen“. Konkret nennen sie Kinderärzt*innen, Gynäkolog*innen und Hebammen, „da sie in der Regel das Vertrauen der Familien genießen“.

Elternverbände sehen Daten von Kindern in Gefahr



Um Menschen geht es auch in der Kinder- und Jugendhilfe oder der Medienpädagogik. Letztere sei eine „freiwillige Leistung der Länder und Kommunen“, schreiben die Expert*innen; eine verlässliche Finanzierung sei „nicht gegeben“.

Sogar Polizist*innen sollen dem Bericht zufolge die Lage für Kinder und Jugendliche im Netz verbessern. Obwohl die Expert*innen keine Handlungsempfehlungen aussprechen wollen, heißt es im Bericht: Es „fehlt“ an „Formen zufälliger Sichtbarkeit von Polizeibehörden im Sinne einer Form von virtuellen Streifen in Deutschland.“ Der direkte Kontakt mit Beamt*innen im Netz könne angeblich die Bereitschaft junger Menschen erhöhen, Dinge wie Grooming anzuzeigen.

Was all diese Ansätze gemeinsam haben: Eltern und Fachkräfte müssten sich vermehrt Kindern und Jugendlichen widmen. Im Gegensatz zu Verboten und technischen Hürden kostet das Zeit und Geld.

Alterskontrollen: Die Achillesferse des Berichts


Auch Plattformregulierung spielt eine wichtige Rolle im Zwischenbericht. Das zentrale Regelwerk hierfür ist das EU-Gesetz über digitale Dienste (DSA). Demnach müssen unter anderem große Social-Media-Plattformen Maßnahmen zum Schutz junger Menschen ergreifen. Zum Beispiel können sie Chat-Kontakte mit Fremden einschränken oder es Nutzer*innen einfach machen, Vorfälle zu melden.

Eine wichtige Rolle spielen auch manipulative und suchtfördernde Designs, insbesondere die Sogwirkung personalisierter Feeds, von denen man sich ohne starke Impulskontrolle kaum lösen kann. Mithilfe des DSA könnte die EU genau dort ansetzen und Social-Media-Konzerne dazu zwingen, nicht länger die Aufmerksamkeit junger Menschen mit allen Mitteln zu Geld zu machen.

Alterskontrollen sind laut DSA nur eine Option unter mehreren solcher Vorsorgemaßnahmen. Offenbar wollen die Expert*innen Alterskontrollen jedoch mehr ins Zentrum rücken, eventuell zur Pflicht machen. Das zeigt folgender Schlüsselsatz:

Strukturelle Vorsorgemaßnahmen wie sie der DSA vorsieht, können ihre volle Wirksamkeit nur mithilfe einer funktionalen Altersüberprüfung entfalten.


Dahinter steckt ein folgenschwerer Regulierungsansatz. In diesem Fall wären Alterskontrollen überhaupt erst die Grundlage für weitere Jugendschutzmaßnahmen. Sie würden nicht mehr dazu dienen, junge Menschen von einer Plattform auszusperren. Stattdessen würden sie sicherstellen, dass junge Menschen einen Account wirklich nur im passenden Jugendschutz-Modus nutzen. Die mögliche Konsequenz wären großflächige Alterskontrollen über weite Teile des Internets.

Obwohl die Expert*innen noch keine Handlungsempfehlungen aussprechen wollen, fordern sie im Zwischenbericht sogar eine Ausweitung der Alterskontrollen über den aktuellen DSA hinaus: „Ausgangspunkt einer Altersverifikation sollten jedoch grundsätzlich bestehende Risiken für Kinder und Jugendliche sein, daher ist der Schutz auszuweiten“, heißt es. Konkret nennt der Bericht „Klein- und Kleinstunternehmer“, die der DSA aktuell von Jugendschutz-Pflichten ausnimmt.

Auch das hätte weitreichende Folgen: Selbst Unternehmen mit nur einem Angestellten müssten demnach möglicherweise Alterskontrollen für ihre Online-Angebote einführen.

Forschende schlagen Alarm: Kontrollen „nicht hinnehmbar“


Solche Alterskontrollen sind nicht bloß ein Website-Feature. Um, wie oft gefordert, wirksam zu sein, müssen sich Nutzer*innen etwa mit Ausweisdokumenten oder biometrischen Gesichtsscans verifizieren. Die eingangs erwähnten mehr als 400 Forscher*innen aus den Bereichen Technologie, IT-Sicherheit und Privatsphäre warnten in ihrem offenen Brief eindringlich vor den Folgen.

Es fehle ein klares Verständnis dafür, was Alterskontrollen anrichten können – für „Sicherheit, Privatsphäre, Gleichberechtigung“ und die „Autonomie“ aller Menschen. Deren Einführung ohne weitere Forschung sei „gefährlich und gesellschaftlich nicht hinnehmbar“.

Staaten sollen Social-Media-Verbote stoppen



Jüngst hat die EU-Kommission einen Vorschlag zur Umsetzung von Alterskontrollen präsentiert: Eine App, die zunächst nur auf iOS und Android läuft, und primär Ausweispapiere nutzt. Bereits das schafft potenziell gefährliche Abhängigkeiten von den US-Konzernen Apple und Google, führt zu einem Handy-Zwang und benachteiligt Menschen, die keine (oder keine mit der App kompatiblen) Papiere haben.

Rund um die Alterskontroll-App der EU gibt es zudem mehrere technische Unklarheiten und falsche Versprechungen. So soll die App laut EU-Kommission „komplett anonym“ sein, setzt aber noch auf Pseudonyme. Die Spezifikationen der App bieten in der nationalen Umsetzung viele Spielräume, die Privatsphäre schlimmstenfalls weiter schwächen.

Die größte Gefahr von Alterskontrollen liegt jedoch darin, dass sie eine umfassende Kontroll-Infrastruktur im Netz schaffen. Selbst wenn zu Beginn Datenschutz und Privatsphäre im Mittelpunkt stehen: Es bräuchte lediglich eine kleine Anpassung im Code und eine neue Rechtsgrundlage – fertig wären Ausweis- und Klarnamenpflicht im Netz. Alterskontrollen rücken die EU gefährlich nah an eine Form der Massenüberwachung, die in der Türkei gerade auf dem Weg ist.

Reaktion: SPD-Fraktion will „verpflichtende“ Altersverifikation


Für ihren Zwischenbericht mussten sich die Forschenden wohl sehr beeilen. Ursprünglich sollten alle Ergebnisse in Ruhe gemeinsam erscheinen, nach einem Jahr Arbeit. Aber Spitzenpolitiker*innen aus Bund, Ländern und der EU erhöhen seit Monaten den Druck.

Die Co-Vorsitzende der Expert*innen-Kommission hatte dem Tagesspiegel noch im März gesagt: „Ich rate der Politik dringend, uns in Ruhe arbeiten zu lassen“. Daraus ist nichts geworden. Früher als ursprünglich geplant hatten die Expert*innen nun die Bestandsaufnahme vorgelegt. Und selbst das geht manchen nicht schnell genug.

Nach der ersten Veröffentlichung, die ausdrücklich noch keine konkreten Empfehlungen geben sollte, sieht sich die SPD bereits in ihren Forderungen bestätigt. In einer hastigen Pressemitteilung der SPD-Fraktion im Bundestag pochte die jugendpolitische Sprecherin Jasmina Hostert unter anderem auf „verpflichtende, datensparsame Altersverifikation“. Die CDU hatte sich schon per Parteitagsbeschluss im Februar auf verpflichtende Alterskontrollen eingeschworen.

Solche Schnellschüsse werfen die Frage auf, wie viel Respekt die Regierungsparteien gegenüber Wissenschaft und evidenzbasierter Politik haben. Zugleich zeigen sie den Expert*innen, wofür sich die Politik offenkundig am meisten interessiert. Zumindest bisher scheinen die Technikfolgen von Alterskontrollen für die Expert*innen-Kommission keine große Rolle gespielt zu haben.alt

by Sebastian Meineck at April 23, 2026 10:13 AM

April 22, 2026

CCC Media

GIMP: a Community, Free Software (lgm2026)

GIMP is Free Software. Most people present at Libre Graphics know as much. But it is more: GIMP is also a Community. For me this aspect has about as much importance as the licensing part. In this talk, I will be diving further into what that means, how that works and why this matters. Doing so, I will also discuss a bit the past few years of the project, clarify our current vision and forecast the (very positive) future of this project. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/BGMJCT/

Video:lgm2026-110674-eng-GIMP_a_Community_Free_Software_hd.mp4

April 22, 2026 10:00 PM

Live Coding for Artists and Designers (lgm2026)

Our favorite Free/Libre and Open Source tools for graphics provide numerous features that facilitate our creative work. But what if the idea we have in mind is too hard to achieve in a reasonable amount of time? Possible solutions include kindly asking the developers or trying to implement them ourselves. What if our needs are too niche? What if we are looking for a feature to be used just once? Command line tools like ImageMagick or FFmpeg can help in some situations, but designing via CLI-arguments is not precisely ergonomic. In this live-coding talk I want to demonstrate how to write simple tools using OPENRNDR to generate and transform bitmap, vector, 3D mesh and video files that can be further edited in design tools typically discussed at the LGM. OPENRNDR is a Kotlin-based Free/Libre Open Source framework for creative coding. It provides a wide range of algorithms and tools to work with contours, images, GPU filters and more, and can help automating repetitive or algorithmic tasks in media production. Let’s rewire our existing tools by quickly prototyping new ones! Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/NFLWJZ/

Video:lgm2026-110673-eng-Live_Coding_for_Artists_and_Designers_hd.mp4

April 22, 2026 10:00 PM

Lightning Talk: Thursday (lgm2026)

A general session dedicated to the self-organization of the LGM community. Libre Graphics Meeting 2026 in Nuremberg invites designers, developers, artists, and activists to RE:WIRE the tools, infrastructures, and communities of Free/Libre graphics: reconnecting broken circuits between code and craft, reconfiguring workflows beyond proprietary platforms, and weaving new, resilient networks of collaboration that re-route power, knowledge, and imagination. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/CRDQHB/

Video:lgm2026-110672-eng-Lightning_Talk_Thursday_hd.mp4

April 22, 2026 10:00 PM

Netzpolitik.org

Ich habe mein Gesicht scannen lassen, damit ihr es nicht tun müsst.

Liebe Leser*innen,

im August 2025 verkündete Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) eine Zeitenwende: den Beginn der Videoüberwachung mit Echtzeit-Gesichtserkennung in Deutschland, in einem Pilotprojekt in Frankfurt am Main. Der erstmalige Einsatz der Technologie lag da allerdings schon sieben Wochen zurück. Und als er dann im März eine polizeiliche Gesichtserkennungs-App vorstellte – sie wird ebenfalls in einem deutschlandweit einmaligen Feldversuch in Frankfurt am Main genutzt –, war der tatsächliche Erst-Einsatz sogar schon 14 Wochen her.

Die Frankfurter*innen sind Posecks Versuchskaninchen. Was er gerade an ihnen ausprobiert, das erzählt er immer erst dann, wenn der Versuch schon längst läuft.

Das hat mich neugierig gemacht. Wie fühlt sich das an als Versuchskaninchen? Wie ist es, wenn das eigene Gesicht beständig vermessen und mit anderen Gesichtern verglichen wird – wenn man quasi ein Kennzeichen auf der Stirn hat? Das habe ich Menschen gefragt, die ihren Alltag inmitten der Videoüberwachungszone im Frankfurter Bahnhofsviertel verbringen. Dabei habe ich einen ziemlich ungewöhnlichen kleinen Kosmos erlebt. Es geht dort um Sex, Drogen und das Ende der Anonymität.

Viel Spaß beim Lesen

Martin

by Martin Schwarzbeck at April 22, 2026 04:02 PM

Metalab

Netzpolitik.org

Bundesregierung beschließt anlasslose Vorratsdatenspeicherung

Die Bundesregierung hat heute den Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Das verkünden Justizministerim, Innenministerium und Bundesregierung. Damit geht das Gesetz in den Bundestag.

Das Gesetz verpflichtet Internet-Zugangs-Anbieter, IP-Adressen und Port-Nummern sämtlicher Nutzer drei Monate lang zu speichern, ohne Anlass und ohne Verdacht auf eine Straftat.

Behörden dürfen ohne Richtervorbehalt auf die Vorratsdaten zugreifen. Mit dem Gesetz gegen digitale Gewalt sollen auch Privatpersonen in Zivilverfahren auf die Vorratsdaten zugreifen.

Auf Anordnung müssen auch Internet-Dienste wie E‑Mail-Anbieter und Messenger Verkehrsdaten drei Monate lang speichern und herausgeben.

Das ist bereits das dritte Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung in Deutschland. Sowohl das erste Gesetz von 2007 als auch das zweite Gesetz von 2015 wurden von höchsten Gerichten gekippt.

Die verfassungswidrigen Vorgänger-Gesetze wurden mit Terrorismus begründet. Die Bundesregierung begründet das neue Gesetz mit Fake-Shops und digitaler Gewalt.

Mehr Behörden, mehr Fälle



Im Dezember hatte SPD-Justizministerin Stefanie Hubig einen ersten Gesetzentwurf vorgestellt. In den Verhandlungen mit Innen- und Digitalministerium wurden noch ein paar Dinge verändert.

Ursprünglich sollten nur Strafverfolgungs- und Polizeibehörden die Vorratsdaten abfragen. Jetzt dürfen auch „andere berechtigte Stellen“ die Daten nutzen, darunter Geheimdienste wie Verfassungsschutz, Finanzbehörden und Zoll.

Die Behörden sollen Verkehrsdaten nicht mehr nur abfragen dürfen, wenn eine Ermittlung „auf andere Weise aussichtslos wäre“, sondern breits, wenn sie sonst „wesentlich erschwert wäre“.

Der neue Entwurf stellt klar, dass lokale WLANs nicht unter die Speicherpflicht fallen, neben Hotels auch Freifunk. Daten sollen nicht länger als drei Monate gespeichert werden, auch wenn eine Internet-Verbindung länger besteht. Das war im ersten Entwurf noch vorgesehen.

Berufsgeheimnisträger sollen nicht geschützt werden, das hatten unter anderem Medien-Vereinigungen vergeblich gefordert.

Hunderttausende Abfragen



Grundrechtseingriffe müssen notwendig und verhältnismäßig sein. Andere Länder wie die USA haben keine Vorratsdatenspeicherung, dort ist sie nicht notwendig. Deutschland hatte schon mal eine Vorratsdatenspeicherung. Damals hat das Max-Planck-Institut für Strafrecht wissenschaftlich untersucht: Es gibt ohne Vorratsdatenspeicherung keine Schutzlücken in der Strafverfolgung.

Im Gesetzentwurf versucht die Bundesregierung abzuschätzen, wie oft die Polizei Vorratsdaten abfragen wird. Sie kommen auf 143.000 pro Jahr – 86.000 Abfragen durch das Bundeskriminalamt und 57.000 Abfragen durch die Länder.

Diese Schätzung widerspricht den Daten der Telekom. Ganz ohne Vorratsdatenspeicherung hat die Telekom in einem Jahr fast 290.000 Abfragen zu IP-Adressen bekommen – wegen mutmaßlicher Urheberrechtsverletzungen im Internet.

Tausende Anbieter betroffen



Die Speicherpflicht betrifft „unterschiedslos alle Anbieter von Internetzugangsdiensten“, in Deutschland etwa 700. Verbände rechnen mit Kosten von ein bis zwei Millionen Euro für große und 80.000 Euro für kleine Internet-Anbieter.

Die Abfrage von Verkehrsdaten betrifft „alle Anbieter von Telekommunikationsdiensten“, also auch Anbieter für E‑Mail und Messenger. Die Bundesnetzagentur rechnet mit „rund 3.000 Verpflichteten“. Nicht alle Anbieter sind auch kommerzielle Unternehmen, es gibt auch ehrenamtliche und gemeinnützige Anbieter.

Die Bundesregierung schafft also mehr Regulierung und Belastungen für Internet-Dienste, gegen deren Willen.

„Rechtswidrig, fehlgeleitet, gefährlich“



Vor 20 Jahren haben zehntausende Menschen gegen die Vorratsdatenspeicherung demonstriert. Auch heute ist der Widerstand breit.

Der Deutsche Anwaltverein kritisierte bereits den Entwurf mit deutlichen Worten: Die Regierung „setzt sich über die europarechtlichen Maßgaben hinweg“ und steht „nicht mit den grundrechtsschützenden Intentionen des Gerichtshofs in Einklang“. Eine „wirksame Begrenzung der Verwendungszwecke“ fehlt, deshalb ist „die vorgeschlagene Vorratsdatenspeicherung europarechtswidrig“.

Die Digitale Gesellschaft kritisiert:


Die Vorratsdatenspeicherung ist immer noch ein fehlgeleiteter Ansatz. Es gibt keine Evidenz für die Verhältnismäßigkeit dieser radikalen Massenüberwachung. Tatsächlich wären in erheblichem Ausmaß unbescholtene Bürger*innen betroffen.



Das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie kritisiert:


In einer Zeit, in der neue Technologien immer stärker in die Privatsphäre eindringen und zugleich autoritäre Kräfte an Macht und Einfluss gewinnen, stellt sich noch die Frage: Was passiert, wenn Regierungen ihre Polizeibehörden dazu anweisen oder ermuntern, ihre Zugriffsmöglichkeiten auf IP-Adressen und Portnummern zu nutzen, um gegen politische Gegner vorzugehen?


Anwaltverein: „Rechtmäßigkeit fraglich“



Update: Der Deutsche Anwaltverein kritisiert:


Auch eine abgespeckte Vorratsdatenspeicherung bleibt eine Vorratsdatenspeicherung. Die anlasslose IP-Adressenspeicherung betrifft die Rechte von Millionen unbescholtener Bürgerinnen und Bürger – während Kriminelle genügend Möglichkeiten kennen, ihre Identität zu verschleiern.

Die Speicherdauer von drei Monaten geht deutlich über das erforderliche Maß hinaus. Für die Verwertung ist weder eine richterliche Kontrolle noch eine Beschränkung auf eine Mindestschwere der aufzuklärenden Straftat vorgesehen. Damit ist die Vereinbarkeit mit Verfassungs- und Europarecht fraglich.


Linke: „Massenüberwachung durch die Hintertür“



Update: Die Linke im Bundestag kritisiert:


Dieser Entwurf wird erneut vor den Gerichten krachend scheitern. Ich fordere die Bundesregierung auf, diese Täuschung zu beenden und den Entwurf zurückzuziehen. Als Linke lehnen wir jegliche Vorratsdatenspeicherung ab.


Internetwirtschaft: „Beschluss hochproblematisch“



Update: Der Verband der Internetwirtschaft eco kritisiert:


Auch nach dem Kabinettsbeschluss gilt: Der Entwurf verfehlt die Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs und schafft erneut eine anlasslose Datenspeicherung ohne nachweisbaren Mehrwert für die Strafverfolgung. Drei Monate IP-Adressspeicherung bedeuten nicht mehr Sicherheit, sondern mehr Datenspeicherung auf Verdacht.


Grüne: „Zentrales Bürgerrechtsthema“



Update: Die Grünen im Bundestag kritisieren:


Auch die jüngste Vorlage der Bundesregierung mit einer dreimonatigen Speicherfrist begegnet weiterhin erheblichen juristischen Bedenken, bspw. mit Blick auf die Frage, ob die dezidierten Vorgaben höchster Gerichte (die u.a. die Speicherdauer auf das absolute Minimum beschränken) eingehalten werden. Die Gefahr, dass auch diese Regelung nicht lange Bestand haben wird, ist daher sehr real.



alt

by Andre Meister at April 22, 2026 11:02 AM

Hier analysiert die Polizei jedes Gesicht

Juanita Henning steht auf der Elbestraße in Frankfurt am Main und schaut in eine Videokamera. Die hängt etwa 50 Meter von ihr entfernt und hat acht Linsen, um von allen Straßenabschnitten gleichzeitig scharfe Bilder zu liefern. „Die vermisst jetzt gerade mein Gesicht und prüft, ob ich von der Polizei gesucht werde“, sagt Henning. Biometrische Fernidentifizierung in Echtzeit nennt das hessische Innenministerium die Technologie, die hier in einem Pilotprojekt getestet wird. Und wie fühlt es sich an, im Blickfeld der Kamera? „Absolut unangenehm. Du weißt ja auch nie, wozu diese Aufnahmen missbraucht werden“, sagt sie.

Juanita Henning befindet sich vor dem Büro von Doña Carmen, einer Beratungsstelle für Prostituierte. Links daneben ist eine Tabledance-Bar, rechts daneben ein Bordell. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, sind noch zwei weitere Bordelle. Auch ihre Eingänge liegen im Sichtbereich der Kamera. Insgesamt erfasst die Videoüberwachung des Frankfurter Bahnhofsviertels mindestens 16 Häuser, in denen Sexarbeit verrichtet wird.

Deren Türen und Fenster werden in der Videoüberwachung angeblich ausgeblendet, ansonsten wird der öffentliche Raum im Bahnhofsviertel von Frankfurt am Main „nahezu vollständig“ videoüberwacht, so die Polizei zu netzpolitik.org. 29 der 70 Kameras, die in Frankfurt öffentlichen Raum erfassen, stehen hier. 19 davon eignen sich für die automatisierte Gesichtserkennung.

„Ein ganz perverser Eingriff“


Henning sagt: „Videoüberwachung und automatisierte Gesichtserkennung dort, wo Sexarbeiter*innen arbeiten – das ist ein ganz perverser Eingriff in die Intimsphäre von Menschen.“ Henning ist im Vorstand von Doña Carmen, hat den Verein einst mitgegründet und ist auf ihren Wegen zu und von der Beratungsstelle regelmäßig der automatisierten Gesichtserkennung ausgesetzt. Sie hat nun gemeinsam mit Gerhard Walentowitz, ebenfalls Doña-Carmen-Vorstandsmitglied, und unterstützt von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt Klage dagegen eingereicht.

Davy Wang von der GFF sagt: „Besonders problematisch ist der Einsatz der biometrischen Videoüberwachung in sensiblen Kontexten, etwa im Umfeld sozialer Beratungsstellen. Institutionen wie Dona Carmen sind darauf angewiesen, ihren Klient*innen einen geschützten, vertraulichen und niedrigschwelligen Zugang zu gewährleisten.“

Henning arbeitet seit 1991 als Sozialarbeiterin hier im Viertel. Sie sagt: „Den Frauen gefällt das absolut nicht, dass sie überwacht werden. Die wollen anonym bleiben, um sich und ihre Familien vor Diskriminierung und Stigmatisierung zu schützen.“ Zudem würden durch die vielen Kameras die Umsätze sinken, weil auch die Kunden lieber unerkannt blieben.

Frankfurt ist wohl erst der Anfang


Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist Freiluftlabor für die Echtzeit-Fernidentifizierung. Zahlreiche Bundesländer haben bereits Interesse an der Technologie angemeldet, die hier deutschlandweit – nach einem Testlauf am Berliner Bahnhof Südkreuz – erstmals offen eingesetzt wird. In einem ersten Ausweitungsschritt wurde die automatisierte Gesichtserkennung auch an Kameras angeschlossen, die Haupt- und Konstablerwache überwachen, die Enden der zentralen Frankfurter Einkaufsstraße Zeil. Der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) hat noch vor Einführung der KI-Überwachung angekündigt, dass er diese hessenweit an Kriminalitätsschwerpunkten einführen will. Und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) möchte deutsche Bahnhöfe flächendeckend mit dieser Technologie – und zudem Verhaltensscannern – ausrüsten. Frankfurt ist also höchstwahrscheinlich erst der Anfang.

Aktuell darf in Frankfurt mit der Gesichtserkennung nach Terrorist*innen gesucht werden, nach vermissten Menschen und nach Opfern von Entführung, Menschenhandel oder sexueller Ausbeutung. Für jede Suche ist ein richterlicher Beschluss nötig. Das System läuft seit Juli 2025, seitdem wurde „eine niedrige zweistellige Anzahl an Personen“ damit gesucht. Erfolg gab es nur einmal, als eine vermisste 16-Jährige mit der Kamera-KI identifiziert wurde. Ab Juli 2026 soll eine Evaluationsphase folgen, aber es sieht bereits so aus, als solle das System auf jeden Fall verstetigt werden. Zuständig für die Gesichtserkennungstechnologie ist die Direktion 100 der Frankfurter Polizei, zu der auch das skandalumwitterte 1. Polizeirevier gehört.

Neben dem Probelauf mit der Fernidentifizierung ist Frankfurt am Main auch Experimentierfeld einer weiteren, bislang deutschlandweit einmaligen Form der automatisierten Gesichtserkennung. Polizist*innen nutzen hier seit Dezember 2025 eine App, mit der sie bei Personenkontrollen Verdächtige identifizieren, die sich nicht ausweisen wollen oder können. Die „Abfrage-App“ bietet eine mobile Schnittstelle zum Gesichtserkennungssystem des BKA. Dort wird das fotografierte Gesicht mit den Gesichtern der 5,36 Millionen Menschen verglichen, die in der polizeilichen Datenbank gespeichert sind. Gibt es einen Treffer, erscheinen Name, Geburtsdatum und Staatsangehörigkeit auf dem Smartphone-Display. Darauf folgt eine „menschliche Plausibilitätskontrolle“.

Die Kosten hält die Polizei geheim


Auf 160 Geräten wurde die App bislang installiert. Nach Abschluss der Pilotphase wolle man sie für alle Polizist*innen des Landes freischalten, so die hessische Polizei. Andere Landes-Polizeien und Bundesbehörden sollen die App dann ebenfalls einsetzen dürfen. Die Kosten für die Entwicklung der App – wie auch die Kosten für die Echtzeit-Fernidentifizierung – hält die Frankfurter Polizei geheim.

Dimitrios Bakakis, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Frankfurter Stadtparlament, sagt: „Was hier erprobt wird, ist der Einstieg in eine Überwachungspraxis, die wir aus den USA kennen und die dort zu massiven Diskriminierungen geführt hat.“ Der Landesdatenschutzbeauftragte Alexander Roßnagel arbeitet gerade an einer Stellungnahme zu der Gesichtserkennungs-App.

Frankfurt am Main ist die deutsche Frontstadt der automatisierten Gesichtserkennung. Hier beginnt die Zeitenwende hin zur automatisierten Erfassung und Identifikation von Menschen über physiologische Merkmale. Und das ausgerechnet in dem Bundesland, das 1970 das erste Datenschutzgesetz der Welt verabschiedete. „Pilotprojekte wie Biometrie-Apps auf Polizeihandys oder Gesichtserkennung mit Kameras sind keine harmlosen Tests an begrenzten Orten, sondern weiten Schritt für Schritt biometrische Überwachung für alle aus“, sagt Kilian Vieth-Ditlmann von AlgorithmWatch. „Das Ende jeder Anonymität im öffentlichen Raum ist aus unserer Sicht keine Übertreibung, sondern die logische Konsequenz, die sich aktuell andeutet.“

Bakakis von den Frankfurter Grünen fügt hinzu: „Freiheit im öffentlichen Raum bedeutet nicht nur, dass man sich physisch bewegen darf – sondern auch, dass man anonym sein kann, also nicht automatisch identifiziert und registriert wird, nur weil man irgendwo entlangläuft.“

„Wie 1984“


Im Frankfurter Bahnhofsviertel kann man also schon jetzt erleben, was an vielen Orten droht: eine ständige potenzielle De-Anonymisierung aller Personen im öffentlichen Raum. Was macht das mit den Menschen vor Ort, wenn eine Software ständig versucht, sie zu identifizieren?

Milan, lange Haare, zerrissene Jeans, sitzt neben zwei Bekannten auf dem Bürgersteig, an der Wand eines Bordells. Er hält eine Metallpfeife in der Hand. Milan raucht damit Crack. Was sagt er zu der Kamera, die genau auf ihn zeigt? „Die ist mir egal“, sagt er. Die Polizei interessiere sich nicht für ihn. Die Kleinstmengen, die er und seine Bekannten bestenfalls einstecken hätten, seien den Aufwand nicht wert. Und was ist mit der Gesichtserkennungs-Software, die die Bilder analysiert? „Das ist ja wie in dem Buch ‚1984’“, sagt er, eher interessiert als alarmiert.

Auch Lisa guckt frontal in eine achtlinsige Kamera. „Ganz schön gruselig“, sagt sie. Die Dreißigjährige wohnt hier im Bahnhofsviertel, die Kamera steht auf einem ihrer täglichen Wege. Lisas Alltag als Anwohnerin spielt sich zu einem guten Teil hier ab, unter Kameras. „Ich versuche das zu verdrängen, aber ein Unbehagen ist immer da“, sagt sie. Die offene Drogenszene empfindet sie hingegen als nicht bedrohlich. „Ich wohne hier ganz entspannt. Ich hatte kaum bedrohliche Situationen. Und wenn, könnten die Kameras mir nicht helfen“, sagt sie. Lisa nennt das Bahnhofsviertel „Projektionsfläche konservativer Politiker mit Ordnungsfantasien“.

„Man weiß nie, ob man gerade angestarrt wird“


Die Kamera filmt Lisas Gesicht. Die Bilder laufen in eine Videoleitstelle und werden dort von Polizist*innen gesichtet. Die können einige der Kameras auch ferngesteuert schwenken, neigen, zoomen. „Das ist eigentlich schlimm genug, dass man nie weiß, ob man gerade angestarrt wird“, sagt Lisa. Zudem werden die Bilder für 14 Tage gespeichert, sollten sie für Ermittlungen benötigt werden, auch länger.

„Und jetzt kommt der gruseligste Teil“, sagt Lisa. Sie meint: Die Software, die im Datenstrom der Kameras in Echtzeit Menschen identifiziert. Denn wenn die Polizei mit der Videoüberwachung gerade nach Menschen fahndet, scannt eine Software alle Gesichter, also auch Lisas. Das Programm leitet aus Lisas Physiognomie eine Datenkolonne ab und vergleicht diese mit den Daten des Zielgesichts. Würde Lisa tatsächlich gesucht oder wäre ihr Gesicht einem gesuchten zumindest ähnlich genug, würde auf dem Bildschirm des zuständigen „Videosachbearbeiters“ ein Screenshot erscheinen, auf dem Lisa optisch markiert ist, dazu erklänge ein akustischer Hinweis. Die Person vor dem Bildschirm müsste dann einschätzen, ob Lisa tatsächlich die gesuchte Person ist und gegebenenfalls Einsatzkräfte informieren. Die würden dann mit einer Personenbeschreibung zum Ort der Sichtung geschickt. Sind auf dem Videostream Straftaten zu sehen, wird sogar ein Foto der tatverdächtigen Person per polizeiinternem Messenger an die Dienst-Handys der Beamt*innen vor Ort gesendet.

Der Landesdatenschutzbeauftragte schrieb schon 2024, dass die Live-Gesichtserkennung einen „tiefgreifenden Grundrechtseingriff“ darstelle und nur unter „engen Voraussetzungen“ legal sei. Davy Wang von der Gesellschaft für Freiheitsrechte, die Juanita Henning in ihrem Kampf gegen die KI-Überwachung unterstützt, sagt: „Die biometrische Echtzeit-Fernidentifizierung im öffentlichen Raum stellt einen besonders schwerwiegenden Eingriff in die Grundrechte dar, weil sie massenhaft auch unbeteiligte Personen erfasst.“ Die hessische Rechtsgrundlage dafür sei zu unbestimmt, die Eingriffsschwelle zu niedrig. Lösch- Transparenz- und Bachrichtigungspflichten gebe es nicht.

Gesichtsscans ermöglichen Einblicke in das Privatleben


Die digitale Kennung, die die Software aus Lisas Gesicht errechnet, ließe sich auch mit Bildern aus dem Internet vergleichen. So fänden sich möglicherweise Demo-Fotos, auf denen sie in der Masse abgebildet ist, oder peinliche Jugendsünden auf Social Media. Die Bundesregierung will derartige Datenabgleiche zeitnah möglich machen, obwohl hohe grundrechtliche Hürden dagegenstehen.

In Frankfurt wird ein Gesichtsscan angeblich sofort verworfen, wenn er nicht zu einem Treffer führt. „Aber ob das wirklich passiert, weiß ich nicht“, sagt Lisa. „Man weiß auch nicht, ob die Bilder aus den Kameras nicht doch irgendwann mit der Palantir-Software Hessendata ausgewertet werden“, fügt sie hinzu.

Eine Ecke weiter, eine Stunde später: Ein Trupp von fünf Polizist*innen stürmt im Laufschritt durch das Viertel, zielstrebig zu zwei überraschten Männern. Die werden umstellt und aufgefordert, sich auszuweisen, anschließend folgt die Leibesvisitation. Kein Ergebnis. Die Polizist*innen ziehen wieder ab. Was war das jetzt? „Anlasslose Kontrolle“, sagt ein Polizist. Aufgrund der Waffenverbotszone, die hier gilt, dürfen die Polizist*innen das.

Viele repressive Maßnahmen


Die Aktion ist eine von vielen repressiven Maßnahmen, mit denen Sicherheitsbehörden gegen Menschen im Bahnhofsviertel von Frankfurt am Main vorgehen. Die Polizei patrouilliert mit Fahrzeugen durchs Viertel, mit uniformierten Einheiten und mit Zivilfahnder*innen. Regelmäßig gibt es Groß-Razzien, dazwischen auch zahlreiche verdachtsunabhängige Kontrollen einzelner Menschen oder Gruppen. Polizist*innen können Aufenthaltsverbote für das Viertel aussprechen, die mit bis zu zwei Jahren Haft strafbewehrt sind. Am Stadtbild ändert sich dadurch nichts. Das ist, auch mit intelligenter Videoüberwachung, ganz offen von Crack geprägt.

Die Frankfurter Polizei lässt die Konsument*innen weitgehend in Ruhe, geht aber gegen Dealer vor, auch mit Hilfe der Videoüberwachung. Die Händler haben sich vermutlich deshalb außerhalb der videoüberwachten Zone eingerichtet. Dort, kurz vor dem Schild, das vor den Kameras warnt, nickt beispielsweise ein junger Mann herausfordernd Passant*innen zu. Wer seinem Blick standhält, dem wispert er „Brauchst du was?“ entgegen.

In Blickweite des mutmaßlichen Dealers, in der überwachten Zone, steht das Nika-Haus, ein selbstverwaltetes Wohnprojekt. Im Erdgeschoss residiert eine Beratungsstelle des „Förderverein Roma“. Timur Beygo leitet sie. Vor seiner Tür stehen und sitzen Menschen und konsumieren Crack. „Wir kommen im Allgemeinen sehr gut mit denen aus“, sagt er. Was ihn hingegen stört, das ist die Videoüberwachung. „Hier erscheinen etwa 15 Klienten am Tag, Roma und Sinti, meist Mütter mit Kindern, die werden dann einfach mitüberwacht. Das ist hochgradig überzogen.“ Kritik hat er auch an den Polizeieinsätzen. „Die Polizei tritt häufig sehr ruppig auf. Mein Eindruck ist zudem, dass Polizeieinsätze die Situation mitunter erst zuspitzen, obwohl vorher noch gar kein Konflikt bestand.“

„Das wird testhalber eingeführt und dann entgrenzt“


Auf einer Bierbank vor einem Kiosk im Bahnhofsviertel sitzen Walter Schmidt und Uli Breuer. Die beiden gehören zur Bürgerrechtsgruppe die Datenschützer Rhein Main. Gelegentlich bieten sie Führungen an, in denen sie die KI-gestützte Videoüberwachung des Areals zeigen und erklären. „Das wird immer alles testhalber eingeführt und dann entgrenzt“, sagt Breuer. „Jetzt haben wir noch eine relativ freie Gesellschaft, aber wenn solche Methoden in die falschen Hände geraten, dann kann das sehr schlimm werden.“ Schmidt fügt hinzu: „Ich empfinde das als Unverschämtheit, dass ich von allen möglichen Kamerabetreibern erfasst werde und wehre mich dagegen wo möglich.“

Die beiden positionieren sich auch gegen die verdachtsunabhängigen Kontrollen, die im Viertel möglich sind (Breuer: „Das ist Willkür!“), und gegen den hessischen Polizeigesetzpassus, der Videoüberwachung ermöglicht, wenn mutmaßlich das Sicherheitsgefühl von Bürger*innen beeinträchtigt ist (Schmidt: „Ganz üble Kiste“). „Wir können sie nicht stoppen, aber bremsen“, sagt Breuer zu den Überwachungsbestrebungen. Nachdem sich die beiden beschwert hatten, erhielten beispielsweise einige Kameras an der Alten Oper eine Abschirmung, sodass diese nur noch die zulässigen Flächen abfilmen können.

Hoffnung für die beiden Datenschützer liefern die Grünen im Hessischen Landtag. Die lassen mit einem Normenkontrollantrag beim Staatsgerichtshof klären, ob die der Echtzeit-Fernidentifizierung zugrunde liegende Polizeigesetzänderung rechtens war. Eine Überprüfung der Rechtsgrundlage streben auch Juanita Henning und die GFF an. Sie haben beim Verwaltungsgericht Frankfurt beantragt, dass es die Abschnitte aus dem Polizeigesetz, die die Fernidentifizierung erlauben, dem Bundesverfassungsgericht vorlegt.

Durchkärchern


Etwa 150 Meter Luftlinie von Schmidt und Breuer auf ihrer Bierbank: Eine Frau mit löchriger Strumpfhose und rastlosen Beinen wälzt sich in einem Hauseingang. Zwei Männer hocken einander gegenüber zwischen parkenden Autos, während einer ein Glasröhrchen erhitzt. Eine Gruppe hat sich entlang einer Hauswand niedergelassen. Menschen liegen vollverhüllt in Schlafsäcken, einige reden, andere sitzen vornübergebeugt und präparieren anscheinend Drogen zwischen ihren ausgestreckten Beinen. Crackpfeifen er- und verglühen im erratischen Takt. Darüber wacht ein Kameraturm.

Auftritt Stadtpolizei Frankfurt am Main. Vier Beamt*innen sprechen die Menschen auf der Straße an und fordern sie auf, zu gehen. „Lagern und Verweilen zum Zweck des Konsums von Betäubungsmitteln“ ist hier verboten. Bis zu 100 Euro Bußgeld kann das kosten. Nach und nach lösen die Polizist*innen die Gruppe auf. Im Davonstolpern bereitet sich ein Mann, Kapuze auf dem Kopf, eine weitere Pfeife zu, hinter ihm gehen die Beamt*innen, dahinter bürstet eine Kehrmaschine der Stadtreinigung über den Bürgersteig. Als letzter in der Prozession folgt ein Mann mit einem Hochdruckreiniger. Er gibt dem Pflaster den letzten Schliff.alt

by Martin Schwarzbeck at April 22, 2026 09:51 AM

Bundesregierung muss KI auf Klima-Kurs bringen

Wie kann Künstliche Intelligenz ökologisch nachhaltiger und gleichzeitig zum Wettbewerbsvorteil für Deutschland und Europa werden? Das Bundesumweltministerium hat zu dieser Frage in der vergangenen Woche ein Gutachten von fünf Expert:innen veröffentlicht. Ihre klare Botschaft: Beides ist möglich, aber nur mit einem deutlichen Umsteuern in der KI-Politik.

Während die Bundesregierung gerade die Regeln zu Umweltschutz und Energieeffizienz von Rechenzentren lockern will, weil sie sich als Konkurrentin in einem KI-Wettrennen mit den USA und China wähnt, warnt das Gutachten unter anderem: „Regulatorische Änderungen mit eng gefasstem Fokus und kurzfristiger Perspektive können zu langfristigen Problemen führen und dazu, dass die Ziele der Energiewende verfehlt werden.“

Der Energiehunger der Künstlichen Intelligenz



Die Ausgangslage für nachhaltige KI ist aktuell gleich im doppelten Sinne düster: Zum einen ist klar, dass der Energieverbrauch durch Rechenzentren, die für die Entwicklung und den Betrieb sogenannter Künstlicher Intelligenz gebaucht werden, rasant steigt. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur betrug er in 2024 bereits 415 Terawattstunden, was nur knapp unter dem Stromverbrauch von Frankreich liegt, also der siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt (449 Terawattstunden in 2024). Um den Energiehunger der KI zu stillen, setzen die großen KI-Firmen neben erneuerbaren auch massiv auf fossile, umweltschädliche Formen der Energiegewinnung, insbesondere Gas.

Zum anderen ist aufgrund der großen Intransparenz der Branche weitgehend unbekannt, wie viel Strom und Wasser einzelne KI-Modelle oder Rechenzentren genau verbrauchen oder wie viele Treibhausgas-Emissionen sie verursachen. Auch die großen Versprechen, dass KI für nachhaltige Zwecke wie etwa intelligentes Energie-Management genutzt werden könne, warten überwiegend noch auf ihre Einlösung.

Die ausgewiesenen Expert:innen Udit Gupta, Philipp Hacker, Lynn Kaack, Emma Strubell und Aimee van Wynsberghe haben im Auftrag des Umweltministeriums deshalb zahlreiche Vorschläge gemacht, wie die Situation verbessert werden könnte. Sie sagen: KI und Nachhaltigkeit müssten nicht im Widerspruch stehen. Deutschland habe eine gute Ausgangslage, um bei nachhaltiger KI eine globale Führungsrolle einzunehmen.

Spezialisierte KI-Ansätze statt riesiger Modelle



Eine zentrale Empfehlung der interdisziplinären Expert:innen-Gruppe ist ein realistischerer Blick auf die Vor- und Nachteile unterschiedlicher KI-Ansätze.

Derzeit sei die Aufmerksamkeit auf die großen sogenannten General-Purpose-AI-Modelle (GPAI) konzentriert. Der englische Begriff lässt sich am besten als KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck übersetzen. Gemeint sind in der Regel generative Modelle wie GPT von OpenAI oder Claude von Anthropic. Diese Modelle sind gerade wegen ihres allgemeinen Problemlösungsanspruchs und der dahinterstehenden Technik des Reasonings, das logisches Schlussfolgern imitiert, besonders energieintensiv.

Klimaschädlich by Design



Daneben gebe es jedoch auch andere vielversprechende Ansätze wie etwa kleinere KI-Modelle, die speziell zur Erfüllung konkreter Aufgaben trainiert werden. Diese seien oft besser zur Erfüllung von Aufgaben in der Industrie geeignet, etwa für Predictive Maintenance oder Bilderkennung für Krebsforschung. Viele Aufgaben erforderten gar nicht die Fähigkeiten von Allzweckmodellen oder profitieren nicht einmal davon.

Je genauer man die Zielaufgabe für ein KI-Modell definieren könne, desto effizienter lasse es sich in der Regel gestalten. Die klare Empfehlung des Gutachtens: „Um den wirtschaftlichen Nutzen von KI zu maximieren und gleichzeitig ihren Ressourcenbedarf zu minimieren, ist es daher von entscheidender Bedeutung, Modelle entsprechend zu spezialisieren oder sie gezielt für bestimmte Aufgaben einzusetzen.“

Der Fokus auf kleinere und spezifische Modelle passe zum deutschen und europäischen KI-Ökosystem, das stärker von kleineren und mittleren Unternehmen als von Tech-Giganten geprägt sei. Solche Modelle müssten durch gezielte Investitionen, Förderungen und Public-Private-Partnerships vorangetrieben werden. Dann könnten sich Nachhaltigkeit und ökonomische Wettbewerbsfähigkeit gegenseitig verstärken.

„Die Zukunft ist offener, als wir denken“, so fasste Jurist Philipp Hacker von der Europa-Universität Viadrina die Hoffnung der Sachverständigen bei einer Vorstellung der Studie in Berlin zusammen. „Es ist nicht alternativlos, dass die GPAI-Modelle gewinnen.“ Die Anbieter der großen Modelle hätten bis heute kein tragfähiges Geschäftsmodell und ihre Modelle würden teilweise immer schlechter, Stichwort „Enshittification“, so Hacker.

Intransparenz als Kernproblem



Ein großes Problem bei einer nachhaltigeren Gestaltung der KI-Ökonomie ist dem Gutachten zufolge die massive Intransparenz der Branche. Weil entsprechende Informationen fehlen, könnten Nutzer:innen heute gar nicht das „am wenigsten problematische Modell“ auswählen, so Computerlinguistin Emma Strubell von der Carnegie Mellon University.

Die Intransparenz sei nicht nur ein Problem für private, sondern auch für betriebliche Anwender:innen, die sich ein Bild von der Effizienz machen müssten. Auflagen für die Umweltberichterstattung müssten deshalb dringend um verpflichtende, standardisierte, unabhängig überprüfte und öffentlich zugängliche Informationen zu den Folgen von KI über den gesamten Lebenszyklus ergänzt werden.

Die KI-Verordnung der EU enthalte hierzu beispielsweise nur rudimentäre Anforderungen, die erweitert werden müssten. Dabei sollten nicht nur Daten zum Energieverbrauch beim Training, sondern auch beim Gebrauch von KI-Modellen einfließen. Ebenso CO₂-Emissionen, die bei der Produktion spezialisierter Hardware wie etwa hochleistungsfähigen Grafikprozessoren entstehen.

Bislang halten KI-Firmen solche Daten unter Verweis auf Geschäftsgeheimnisse unter Verschluss. Das öffentliche Informationsinteresse überwiege hier jedoch, so das Gutachten: „Der dringende Bedarf an Daten für ein wirksames Ressourcenmanagement und den Umweltschutz überwiegt die potenziellen Wettbewerbsnachteile, die mit der Offenlegung von Kennzahlen verbunden sind, die indirekt mit der Modellgröße zusammenhängen.“

Darüber hinaus könnten Anbieter verpflichtet werden, ein „grünes Modell“ ihrer KI-Anwendungen anzubieten, das beispielsweise ohne rechenintensives Reasoning daherkomme, um Energieverschwendung durch unnötige Rechenoperationen zu vermeiden. Auch das staatliche Beschaffungswesen sollte als Hebel genutzt werden, um KI- und Cloud-Anbieter zu fördern, die auf Energieeffizienz, nachhaltige Energiequellen und öffentliche Transparenz setzen.

Regeln für Rechenzentren müssen verschärft werden



Auch Rechenzentren als wichtige KI-Infrastruktur stehen im Fokus des Gutachtens. Bei keiner Industrie steige der Energiebedarf derzeit so rasant an wie bei Rechenzentren, so Udit Gupta von der New Yorker Universität Cornell Tech bei der Vorstellung des Papiers. In bestimmten Regionen führe der Bau-Boom bereits heute zu Problemen mit der Energieversorgung. In Frankfurt am Main etwa gingen bereits 2022 knapp 30 Prozent des Stromverbrauchs auf das Konto von Rechenzentren.

Auch hier gehen dem Gutachten zufolge die aktuellen Berichts- und Transparenzpflichten für Betreiber nicht weit genug. Statt tatsächlicher Verbrauchsmessungen würden sie häufig lediglich Schätzungen basierend auf dem Design ihrer Anlagen übermitteln. Ohne solche Angaben könne der tatsächliche Bedarf an Rechenkapazität nicht realistisch eingeschätzt und der Bau neuer Anlagen volkswirtschaftlich sinnvoll geplant werden. Zahlen aus den Niederlanden hätten erst kürzlich gezeigt, dass Rechenzentren dort vermutlich nur zu einem Drittel ausgelastet seien.

Problematisch seien auch die zentralen Maßeinheiten für die Effizienz von Rechenzentren, der PUE-Wert, kurz für Power Usage Effectiveness, und der WUE-Wert, kurz für Water Usage Effectiveness. Beide Werte, die auch in den Nachhaltigkeitsberichten großer Rechenzentrumsbetreiber wie Amazon, Google oder Microsoft angegeben werden, geben keine Auskunft über den absoluten Verbrauch. Stattdessen sind es relative Effizienzwerte, was dazu führe, dass PUE und WUE sich zwar verbessern würden, der absolute Verbrauch jedoch drastisch steige, weil Einsparungen in immer noch größere Modelle investiert würden. Der PUE-Wert messe zudem nur den Energieverbrauch der Gebäude-Infrastruktur, etwa Kühlsystem und Beleuchtung, nicht den Verbrauch der tatsächlichen Energieinfrastruktur.

Wo sich lokaler Widerstand gegen den KI-Hype formiert



Um hier für Verbesserungen zu sorgen, müssten den Expert:innen zufolge die Transparenz- und Berichtspflichten für Rechenzentren deutlich verschärft werden. Hierzu müsste der DIN-Standard für Rechenzentren ebenso angepasst werden wie die Europäische Energieeffizienz-Richtlinie und das deutsche Energieeffizienzgesetz. Wichtig seien unabhängig auditierte Verbrauchsmessungen, die zudem mindestens in aggregierter Form öffentlich zugänglich sein sollten. Auch bei Rechenzentren müsse der ganze Lebenszyklus ins Reporting einbezogen werden: von den Emissionen, die bei der Herstellung von Servern entstehen, bis zum Elektroschrott, nachdem Hardware aussortiert wird.

Darüber hinaus könnten auch beim Design von Rechenzentren und der Energieversorgung große Fortschritte erzielt werden. So sollten etwa KI-Unternehmen verpflichtet werden, selbst für den Ausbau Erneuerbarer Energien in dem Maße zu sorgen, wie sie Strom verbrauchen. Rechenzentren sollten zudem Teil des Systems der CO₂-Bepreisung sein, damit Betreiber Folgekosten für die Umwelt nicht externalisieren können.

Außerdem sollte der Staat die Entwicklung energieeffizienter Rechenzentren fördern, die auf die Bedürfnisse der deutschen Wirtschaft spezialisiert sind. Auch die Abwärme von Rechenzentren sollte weiterhin verpflichtend genutzt werden müssen, Ausnahmen davon reduziert werden.

Auf Kollisionskurs



Die Liste der Vorschläge der Expert:innen ist noch deutlich länger und zeigt, wie groß die Möglichkeiten wären, KI und Rechenzentren nachhaltiger zu gestalten. Zum aktuellen Kurs der Bundesregierung passen sie jedoch gar nicht. Diese sieht Deutschland und Europa in einem KI-Wettrennen mit den USA und China und setzt deshalb auf den Ausbau von KI-Kapazitäten um jeden Preis.

Getrieben von Wirtschaftsverbänden wie BDI, Bitkom oder Eco hat Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) eine neue Rechenzentrumsstrategie erarbeiten lassen, die im März vom Bundeskabinett beschlossen wurde. Sie sieht vor, die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland bis 2030 mindestens zu verdoppeln und die KI-Kapazitäten bis dahin sogar zu vervierfachen. Hierfür sollen Umweltstandards gesenkt, Berichtspflichten gelockert und Planungsverfahren beschleunigt werden.

Wirtschaftministerin Katharina Reiche (CDU) will zudem das deutsche Energieeffizienzgesetz so weit zurückfahren, dass es nur noch den Mindeststandards der entsprechenden EU-Richtlinie entspricht. Dabei haben Journalist:innen von Investigate Europe gerade erst aufgedeckt, wie erfolgreich große Tech-Konzerne gegen weitergehende Transparenzvorgaben in dieser Richtlinie lobbyiert hatten: Die EU-Kommission hat demzufolge bestimmte Abschnitte fast wortgleich von Microsoft kopiert, so dass die ohnehin schon schwammigen Kennzahlen zu Rechenzentren, die an Aufsichtsbehörden übermittelt werden müssen, nicht öffentlich gemacht werden dürfen.

Es ist nun also an Umweltminister Carsten Schneider (SPD), die Vorschläge der von ihm beauftragten Expert:innen in die Debatte mit seinen Kolleg:innen zu bringen. Ob er die KI-Politik auf Klima-Kurs bringen kann, wenn er argumentiert, dass Deutschland und Europa von nachhaltiger KI auch wirtschaftlich profitieren könnten?
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by Ingo Dachwitz at April 22, 2026 07:17 AM

April 21, 2026

CCC Media

Phosphor for Tectonic Typefaces (lgm2026)

Phosphor is a humble text-based tool/workflow for creating fonts. It offers an alternative approach to type design compared to traditional GUI and WYSIWYG vector font editors. In Phosphor, glyphs are represented in text, similar to ASCII art, and are accompanied by metadata stored in a YAML frontmatter. These textual glyph representations are converted into SVG using custom Python scripts and then assembled into a vector font via the FontForge scripting interpreter. From a single textual glyph representation, multiple vector glyph variants can be generated. Conceptually inspired by tectonic crafts such as cross-stitch, bricklaying, and mosaics, representing glyphs in text imposes constraints while facilitating collaboration and version control. At the same time, script-based conversion to vector glyphs enables algorithmic manipulation, allowing users to extend the tool beyond its original scope. Phosphor proposes text as both a design medium and a means of collaboration. In this presentation, we will demonstrate how Phosphor works through a live demo and explore its features, possibilities, and limitations. We’ll also consider how Phosphor relates to similar projects and tools, as representing glyphs in text or manipulating them algorithmically is far from a new idea. Finally, we will look at specific examples of projects created with Phosphor, and how this tool/workflow reconfigures type design while fostering collaboration and experimentation. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/WKJAMR/

Video:lgm2026-110665-eng-Phosphor_for_Tectonic_Typefaces_hd.mp4

April 21, 2026 10:00 PM

Beginner-Friendly Shader Programming in p5.js v2 (lgm2026)

For over a decade, p5.js has helped learners to make algorithmic art on the web. p5.js is community-driven, prioritizes access and inclusion, and makes coding beginner-friendly by requiring as little prior knowledge as possible to get hands-on, while supporting continued learning. How can a beginner-friendly shader programming API address the challenges that learners face? The parallel computation model of GPUs differs from the sequential model of CPUs, and is shaped by historical development of graphics APIs under fast-changing hardware constraints. Programming shaders relies on knowledge about graphics pipelines, target platforms, and sometimes historical quirks. We set out to design a shader creative coding experience for scaffolded learning. We present p5.strands, which allows getting started with shaders using the familiar syntactic and conceptual vocabulary of p5.js sketches. It can be used in p5.js v2 sketches, and works by transpiling JavaScript to GLSL. A p5.strands shader does not explicitly specify a full rendering pipeline. Instead, it describes modifications to a default shader. A shader author is not required to understand how every shape is positioned on the screen, or how all lighting is calculated. The code below shows a shader adding a per-pixel noise texture: function noiseTexture() { pixelInputs.begin(); pixelInputs.color.rgb *= noise(pixelInputs.texCoord * 5); pixelInputs.end(); } material = buildMaterialShader(noiseTexture); shader(material); sphere(50); Writing shaders is possible without reference to vertex or fragment shaders, uniforms, attributes, GLSL data types, or GLSL itself. These concepts are intentionally introduced incrementally. Uniforms, for example, can be introduced when an effect needs additional information, but they are not required to get started. We rely on community feedback to test assumptions and focus development efforts. This presentation introduces both the API design so far, the process to get there, and next steps for this beginner-friendly shader programming project. Also see the related p5.strands Hybrid Hackathon. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/VECVVA/

Video:lgm2026-110664-eng-Beginner-Friendly_Shader_Programming_in_p5js_v2_hd.mp4

April 21, 2026 10:00 PM

ctx vector desktop - rasterizing as late as possible (lgm2026)

What becomes possible with a graphics stack/compositor that works with vectors, rather than pixels? - and what does it take to make it possible? Helping figuring out this - is a goal of the ctx terminal emulator with its vector graphics extension. The terminal is the main driver and testing ground for development of ctx. A low resource vector graphics library with event handling abstractions on top of a vector protocol with a performant software renderer. There is low level integrations ranging from microcontroller displays through linux framebuffer and SDL3 as well as interactive vector graphics user interfaces over full duplex text connections. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/XLDYWQ/

Video:lgm2026-110663-eng-ctx_vector_desktop_-_rasterizing_as_late_as_possible_hd.mp4

April 21, 2026 10:00 PM

The elephant in the room: who owns the image? (lgm2026)

What does generative neural networks and selfies taken by macaque monkeys have in common? Recent debacle around AI has brought discussions around intellectual property and the ownership of works. The problem however might be deeper than we think: rooted around our assumptions about what an idea is and how it comes to being. So how do we sustain creativity and what does that mean for our community? What are the answers, if any? Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/9A8AHS/

Video:lgm2026-110662-eng-The_elephant_in_the_room_who_owns_the_image_hd.mp4

April 21, 2026 10:00 PM

Exploring modern UI frameworks (lgm2026)

We recently felt the need to change the UI framework we use in Coollab. In this talk we are going to explore the reasons why we wanted to change, the options we considered, and their pros and cons on a variety of criteria (speed of development, performance, etc.). And explain why we ended up going with Tauri, a framework similar to a lightweight Electron, with Rust as a backend and web technologies as a frontend. Also see the related workshop Making real-time generative visuals with Coollab. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/FHMFGU/

Video:lgm2026-110661-eng-Exploring_modern_UI_frameworks_hd.mp4

April 21, 2026 10:00 PM

Freeze+Press (lgm2026)

Freeze+Press is a publishing platform and mailorder distribution. The project was initiated to create and distribute printed objects (books/posters/textile/ephemera) and provide access to their digital sources. Driven by curiosity for explorative approaches to contemporary printmaking and the necessary tools, knowledges and infrastructures, its activities also reflect an ongoing fascination for the interdependent existence of physical and digital objects and their genuine qualities. All design work is done exclusively with Free/Libre/Open Source software. After releases like the book ‘Conversations’ and ‘The Techno-Galactic Guide to Software Observation’ together with Constant from Brussels, the compendium ‘How I stopped to learn programming and love the Bash’ or the zine ‘Do (not) Repeat Yourself’ by Michael Murtaugh there are new projects in the pipeline. The presentation provides an update what was brewing behind the scenes and what’s up next. #Links freeze.sh Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/9RVALE/

Video:lgm2026-110660-eng-Freeze_Press_hd.mp4

April 21, 2026 10:00 PM

State of Libre Graphics (lgm2026)

An update from the many projects of our community. Please submit your slides as Pull Requests to https://github.com/libregraphicsmeeting/state-of-lg-2025 details to the format and process are in the README of the repository. If you have trouble contributing this way, feel free to contact us directly: libregraphicsmeeting@strong-type.systems. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/3338PZ/

Video:lgm2026-110659-eng-State_of_Libre_Graphics_hd.mp4

April 21, 2026 10:00 PM

Welcome (lgm2026)

Welcome to Nuremberg, welcome the Libre Graphics Meeting! Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://pretalx.c3voc.de/lgm-2026/talk/K9WVEV/

Video:lgm2026-110658-eng-Welcome_hd.mp4

April 21, 2026 10:00 PM

Metalab

MetaRave Orga Treffen (2026-04-23 20:30:00)

MetaRave Orga Treffen (2026-04-23 20:30:00)

April 21, 2026 05:00 PM

Netzpolitik.org

„Bundesregierung bedient sich bewährter Instrumente autoritärer Politik“

Amnesty hat heute seinen jährlichen Bericht zur weltweiten Menschenrechtslage 2025/26 (PDF) veröffentlicht. Darin beklagt die Organisation eine „tiefgreifende globale Menschenrechtskrise“. Maßgeblich verantwortlich dafür seien Regierungen weltweit, die zunehmend autoritär handeln und systematisch Menschenrechte und die internationale Rechtsordnung infrage stellen. Der Report gibt einen Überblick zur Menschenrechtssituation auf der ganzen Welt.

Auch in Deutschland sieht Amnesty zunehmend Defizite, in der deutschen Version des Berichts kritisiert die Menschenrechtsorganisation unter anderem, dass Staatsvertreter:innen mit stigmatisierenden Aussagen Angst vor Hassverbrechen schürten, dass die deutsche Polizei mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Palästina-Proteste vorgehe, dass rechtswidrig nach Afghanistan abgeschoben wurde und dass Deutschland das Erreichen der Klimaziele aufs Spiel setze.

Die Menschenrechtsorganisation beklagt zudem einen Anstieg rassistischer, antisemitischer und antimuslimischer Hassverbrechen sowie Hassverbrechen gegen Frauen und lesbische, schwule, bisexuelle, trans und intergeschlechtliche Menschen (LGBTI+) und andere marginalisierte Gruppen. Die Zahlen hätten sich im Vergleich zu Vor-Pandemie-Zeiten verdoppelt.

Bundesregierung in der Kritik


Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, kritisierte die Appeasement-Politik der Merz-Regierung gegenüber Menschrechtsverletzungen. Die Bundesregierung schweige zu oft, wo es Gegenwehr brauche.

Weiter sagte sie zur Menschenrechtssituation in Deutschland: „Auch die Meinungs- und Versammlungsfreiheit steht unter Druck, vor allem durch das Vorgehen gegen Palästina-solidarische Proteste.“ Hier listet Amnesty gleich eine ganze Reihe von polizeilichen Übergriffen auf sowie Einschränkungen von Pro-Palästina-Demonstrationen wie jene, dass Parolen nur auf Deutsch und Englisch skandiert werden durften. Die Verletzung dieser Demonstrationsauflage führte zu einer gewaltsamen Auflösung der Versammlung durch die Polizei.

Im Hinblick auf den Umgang der Bundesregierung mit zivilgesellschaftlichen Organisationen fand Duchrow deutliche Worte: „Die Bundesregierung bedient sich zudem bewährter Instrumente autoritärer Politik, um die kritische Zivilgesellschaft zum Schweigen zu bringen: Zu diesen Schikanen gehören die Streichung der staatlichen Förderung von Demokratieprojekten, die Regelüberprüfung durch den Verfassungsschutz und parlamentarische Anfragen wie die 551 Fragen der CDU zur Arbeit von NGOs in Deutschland.“

Überwachung in der Kritik


Auch die ausufernde Überwachung ist Thema des Kapitels über Deutschland. Amnesty führt hierbei auf, dass das Bundesland Hessen im Jahr 2025 im Frankfurter Bahnhofsviertel ein biometrisches Gesichtserkennungssystem eingeführt hat. Die Überwachungskameras seien in der Lage, alle Passant:innen in Echtzeit zu erfassen, um Personen ausfindig zu machen, für die ein Gerichtsbeschluss vorlag.

Auch das geplante „Sicherheitspaket“ von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat Amnesty auf dem Schirm. Neue Gesetzentwürfe auf Bundes- und teilweise auch auf Landesebene sähen vor, den Polizeibehörden weitreichende neue Befugnisse einzuräumen, um große Datenmengen automatisiert zu analysieren und alle öffentlich verfügbaren biometrischen Informationen aus dem Internet herauszuziehen, um gesuchte Personen zu identifizieren und zu orten.

Diese Projekte stehen in der Kritik. Nicht nur Amnesty International, sondern zivilgesellschaftliche Organisationen wie die GFF und AlgorithmWatch weisen daraufhin, dass die Gesetzespläne verfassungswidrig seien und eine neue Form der Massenüberwachung darstellen. Sie alle warnen vor massiven Grundrechtseingriffen.alt

by Markus Reuter at April 21, 2026 01:45 PM